Full text: Verkehrsgeographie der Eisenbahnen des europäischen Rußland

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land erhielt Bahnen in der in Haapamäki an der Uleäborger Bahn ab 
zweigenden Strecke nach Jyväskylä und Suolachti (1898), sowie in der 
wichtigeren Verbindung über Kuopio hinaus nach Jisalmi (1902) und 
Kajana (1904). Durch diese von der Küste 490 km weit ins Innere 
des Landes gebaute Verbindung wurde der Anschluß an die Dampf 
schiffahrt auf dem Oulujärvisee und die Stromschnellenfahrt auf dem 
Oulünjoki nach Uleäborg (150 km) ermöglicht. Auch die in Uleäborg 
endende Bahnlinie wurde weiter nordwärts zur schwedischen Grenze 
gebaut und erreichte Torneä 1903 1 ). Eine Zweigbahn, die in Lautiosari 
bei Kemi sich gabelt, führt seit 1909 nach Rovaniemi, die, indem sie 
den Polarkreis erreicht, die nördlichste Bahn des ganzen russischen 
Reiches ist. Bedeutender als diese Bahnen wurde die abkürzende Strecke 
zwischen den beiden Hauptstädten des Landes, Äbo—Karis (1899) — 
Helsingfors (1903), die, unweit der Küste führend, auf große Strecken 
hin eine kostspielige Anlage wurde. Von den übrigen Bahnen ist die 
das Savolaks und Karelien durchziehende Strecke zu erwähnen. Diese 
Linie, die mit ihren Zweiglinien landschaftlich hervorragende Punkte 
in ihren Verkehr einbezieht — eine bereits 1892 eröffnete Linie führt 
zu den Wasserfällen des Vuoksen (Imatra) und nach Vuoksenniska am 
Saimasee, eine in Elisenvaara unweit des Ladogasees abzweigende 
kostspielige Linie erschließt die Schönheiten von Punkaharju und das 
reizvolle Nyslott (1906/08 eröffnet), — führt von Wiborg über Sordavala 
an der Nordspitze des Ladogasees nach Joensuu und seit kurzem sogar 
entlang der Ostseite des Pielissees, 470 km von Wiborg, nach Nurmes 
im abgelegenen finnischen Grenzkarelien. 
Der Staatsbahnbau hat im eigentlichen Rußland nicht wie in anderen 
europäischen Staaten einen ruhigen, gleichmäßigen Fortgang genommen. 
Dieser wird vielmehr öfters unterbrochen, und zwar durch Aufgaben, 
die dem Staate in Asien gestellt wurden. Wie z. B. in den neunziger 
Jahren, gleichzeitig mit der Verstaatlichungspolitik im Westen, der 
Staat den Bahnbau überwiegend großen Gesellschaften überläßt, da er 
durch den Bau der sibirischen Linie sehr in Anspruch genommen ist, so 
fesselt ihn auch im neuen Jahrhundert, und namentlich seit dem zweiten 
Jahrfünft, die außerordentlich schwierige Anlage der Amurbahn im 
fernsten Osten, durch die wichtige Linien in Europa zurückstehen müssen. 
Indes der Staat hatte nun, namentlich seit 1904, keine hervorragende 
Stütze mehr in den Privatbahngesellschaften. Auch hier war eine 
gewisse Baumüdigkeit eingetreten 1 2 ). Aber auch abgesehen von dem 
1 ) Die von Schweden später an den Torneelf, den Grenzfluß, gebaute Bahn 
endete übrigens nicht, wie man gewöhnlich liest, in Haparanda, sondern nördlich 
davon, in Kukkola oder schwedisch Karungi. 
2 ) Es ist übrigens falsch, wenn Graf Witte in einer Streitschrift gegen 
die russische Bahnpolitik sagt, daß im Jahre 1903 keine Werst Eisenbahn ent 
standen soi.
	        
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