Full text : Verkehrsgeographie der Eisenbahnen des europäischen Rußland

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übrigens  für  einen  großen  Teil  des  Jahres  für  den  Verkehr  der  beiden
Wolgastädte  untereinander  keine  große  Bedeutung  hat.  Wichtig  für
den  Verkehr  zwischen  Moskau  und  Kasan  wurde  die  vor  kurzem  vollendete ­
  Linie  Moskau—Murom—Arsamas,  wodurch  der  große  Umweg
über  Rjäsan  und  Rusajewka  beseitigt  würde.
Auch  die  Nordbahnfrage  kam  in  diesen  Jahren  einen  guten  Schritt
vorwärts.  In  das  gewaltige  Waldgebiet  wurde  eine  Bresche  gelegt:
das  verkehrsarme  Gouvernement  Nowgorod  und  das  fast  ganz  eisenbahnlose ­
  Gouvernement  Kostroma  erhielten  eine  wichtige  Eisenbahn.  Bereits
im  Jahre  1899  hatte  der  Staat  die  Strecke  Perm—Wjatka—Kotlas  an
der  Suchona,  unweit  der  Vereinigung  mit  der  Wytschegda  zur  Dwina
beendet 1 )  und  somit  eine  Auslaßstrasse  für  den  Verkehr  der  Uralbergwerksorte ­
  mit  der  schiffbaren  Dwina,  mit  Archangelsk  und  dem  Weißen
Meere  gewonnen.  Wird  doch  sibirisches  Getreide,  das  ins  Ausland
geht,  hauptsächlich  über  die  Perm-Kotlaser  Bahn  und  die  Dwina  abwärts ­
  transportiert,  weniger  durch  Großrußland  und  über  die  baltischen
Häfen.  Es  galt  nun,  nicht  nur  einen  direkten  Verkehr  von  St.  Petersburg ­
  mit  den  Uralstädten,  namentlich  mit  Perm  und  Jekaterinburg
zu  erlangen,  sondern  hiermit  auch  eine  neue  kürzere  Verbindung  mit
Sibirien,  für  die  bisher  nur  der  Weg  über  Moskau  in  Frage  kam.  Im
Jahre  1906  wurde  die  Bahn  St.  Petersburg—Wologda—Wjatka  vollendet,
eine  der  bedeutendsten  Leistungen  der  russischen  Eisenbahnunternehmungen. ­
  Die  über  1200  km  lange  Bahn  durchzieht  ein  ungeheures
Sumpf-  und  Waldgebiet  und  berührt  nur  ein  paar  etwas  größere  -Siedlungen. ­
  Unter  Zuhilfenahme  der  Wjatka-Permer  Bahn  und  des  1909
bewirkten  Baues  Perm—Kungur—Jekaterinburg,  der  den  Umweg  über
N.  Tagil  wegräumte,  wurde  die  Petersburger  Sibirienstrecke  fertiggestellt. ­
  Dem  Bahnbau  ging  im  Jahre  1902  die  Verstaatlichung  der
Moskau-Jaroslawl-Archangelsker  Bahngesellschaft  voraus *  2 ),  der  man
politische  Gründe,  und  zwar  wohl  mit  Recht,  absprach.  Die  viel  erörterte ­
  Verstaatlichung  der  bei  einem  ganz  überwiegend  polnischen
Angestelltenstand  stark  polnisch  und  mitteleuropäisch  beeinflußten
Warschau-Wiener  Bahn  im  Jahre  1912  führt  uns  zur  Gegenwart,  von  der
unten  die  Rede  sein  wird.
Finnland,  das  sich  stets  durch  einen  ruhigen,  gleichmäßigen  Fortgang ­
  seiner  Bauten  auszeichnete,  schuf  auch  in  diesem  Zeitraum  bemerkenswerte ­
  Strecken.  Noch  im  19.  Jahrhundert  (1895)  kam  die
Verbindung  von  Tammerfors  mit  Björneborg,  einer  der  volkreicheren
Hafenstädte  am  bottnischen  Meerbusen,  zustande.  Das  mittlere  Finn*) ­
  1894  war  übrigens  bereits  ein  Projekt  Kasan—Kotlas  erwogen  worden.
2 )  Kurz  vor  ihrer  Verstaatlichung  vollendete  die  Jaroslawler  Gesellschaft
die  unbedeutende  Strecke  Moskau—Sawelowo  (an  der  Wolga,  1901).  Die  Bahnen
der  Gesellschaft  wurden  mit  der  neuen  Nordbahnlinie  verwaltungstechnisch  vereinigt. ­

            
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