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Die Wohnungsfrage.
Genossenschaft eine durchgreifende Lösung der Wohnungs
frage oder auch nur eine Reform derselben in beschränktem
Umfange nicht zu ermöglichen ist.
Mit wie wenig Verständnis man übrigens die Wohnungs
frage auch von Seiten größerer Gemeindewesen behandelt,
dafür liefern Vorgänge Beweise, welche sich neulich in
Düsseldorf abgespielt haben. Dieser Stadt ist von einem
reichen Erblasser — Landgerichtsrat Aders — eine Summe
von 1 Million Mk. zum Baue von Arbeiterwohnungen hinter
lassen worden, mit der Bedingung, daß die gebauten Häuser
in ewigem Eigentume der Stadt bleiben sollen. Mit Recht
darf man heute von einer Stadtvertretung verlangen, daß
sie mit einem dicken Tropfen sozialpolitischen Öls gesalbt
sei, daß sie sich unter den gegebenen Verhältnissen Mühe
gebe, die günstigsten Bedingungen für Errichtung von
Wohnungen auszuspähen, wenn sie sich damit auch in be
wußten Gegensatz zu den Bodenspekulanten stellt. Vor
allem hatte man in der gesamten, uninteressierten Bürger
schaft erwartet, daß man nach einem bestimmten Plane im
Weichbilde der Stadt in verschiedenen Gegenden und auf
billigem Boden kleine, hübsche Kolonien von Einzelhäuschen
.anlegte. Statt dessen kam die eigens zu dem Zwecke
■eingesetzte Kommission, in der wesentlich größere Haus
besitzer, aber keine Arbeiter vertreten waren, zu dem Ent
schlüsse , in dem alten Stadtteile ein altes Haus zu teuren
Preisen zu kaufen, und dieses alte Haus in dem alten Stadt
teile — Ratingerstraße 1 — zu Arbeiterwohnungen von —
man höre und staune! — zwei Zimmern umbauen zu lassen.
Man glaubte der Zustimmung der Stadtverordneten schon
.sicher zu sein, aber die aufgeregte öffentliche Meinung be
reitete der Kommission in dem Rathaussaale unerwartete
Schwierigkeiten. Es fand sich eine Opposition, welche die
Vorlage bekämpfte und die Zurückverweisung durchsetzte.
Bei diesen Verhandlungen sind nun die Meinungen arg