Full text: Weltporto-Reform

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Kapitel V. 
Der Chinesische Weltpostverein 
oder 
Die meistbegünstigte Nation. 
Cliung-kuo, das uralte grosse „Reich der Mitte“, dessen 
Einwohnerzahl in unseren statistischen Nachschlagebüchern vor 
sichtig mit 330 Millionen angegeben wird, nach den chinesischen 
„Zählungen“ aber allein in den 18 Provinzen des eigentlichen 
Chinas 430 Millionen betragen soll, Ohung-kuo am gelben Meere 
erhebt gern den Anspruch, weit früher, als wir, die weissen Söhne 
des fernen kleinen Europas, die wichtigsten Erfindungen und 
Entdeckungen der neueren Zeit gemacht zu haben. Kompass, 
Schiesspulver und Buchdruckerkunst wollen danach zuerst dort 
erfunden worden sein. 
Staats- und Privatposten gibt es da schon seit unvordenklichen 
Zeiten, schon seit Confutius. Dem AVeltpostverein ist das grosse 
gelbe Yölkermeer mit seiner eigenen neuen Reichspost zwar noch 
nicht angeschlossen, trotz wiederholt geäusserter Absicht. Aber 
wozu auch? Ist denn der alte grosse Weltpostverein europäischen 
Ursprungs mit seinem teuren Briefporto für die Söhne des Welt 
reichs der Mitte nicht schon ein überwundener Standpunkt, eine 
überholte Einrichtung? Haben die Chinesen nicht im Inlande 
schon eine viel billigere Brieftaxe als wir Europäer, nur halb so 
teuer, wie das Pennyporto (SVa.Pfg-)) auf das wir uns so viel 
einbilden, nämlich 2 ostasiatischo Dollarcents oder 4 Pfg. für jede 
Unze (28 g)? Auch darin haben sie uns also überholt. 
Aber wenn das Poi’to des Weltpostvereins in der Regel nur 
doppelt oder 2*/2iual so teuer ist, wiedas inländische Briefporto, 
z. B. 20 Pfg. gegenüber 10 Pfg- oder 2'/a d gegenüber 1 d, wes 
halb soll da der Anwohner des Jangtse und Hoangho gleich das 
5 fache für einen Brief nach dem Auslande bezahlen?
	        
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