Als England 1878 der Seetransitlierabsetzung bis auf
15 Franken Schwierigkeiten bereitete, weil es auf seinen vielen
teuer subventionierten Linien die fremden Briefschaften so
billig nicht mitbefördern könnte, da erwiderte Stephan: „Schon
Rowland Hill, der englische Postreformator, habe im Jahre 1862
in einer Denkschrift nachgewiesen, dass das Seeporto von der
Höhe der vom Staate an die Dampfschiffslinien zu
feile angemessene j ährliche ßanmmieten nach Durchschnittsbesetzungen,
vom Gewicht ganz' ahsehend, eine Art P auschsnbvention für fremde
Betriebsmittel zn schaffen, die dann bald im wesentlichen zur Un
entgeltlichkeit, d. h. der wahren Transitfreiheit führt. Im Landtransit und
auf subventionierten Linien gleichen sich Leistung und Gegenleistung
ohnehin wohl zum grössten Teil aus.
1890 wurden im gesamten gebührenpflichtigen Seetransit bloss
295 672 kg Briefe und Postkarten sowie 1 668 973 kg Drucksachen n. dgl.
befördert, wofür 3 035 292 Fr. zn vergüten waren. 1893 waren es 611 794 kg
Briefe und Karten neben 3 492 892 kg Drucksachen usw.; Gebührensumme
4 296 320 Er. (vgl. „Archiv für Post und Telegraphie“ 1897, S. 311). 1893
insgesamt also bloss 4000 Tonnen! Ein mittleres Schiff voll beladen! Im
Grunde eine Bagatelle für den ganzen Weltverkehr aller Länder! Und für
solch eine überseeische Ladung von 4000 Tonnen 4 Mill. Fr. Frachtgebühr!
Das ist sehr menschenfreundlich gerechnet. Wenn die Frachtmenge gegen
wärtig auch 20—30 000 Tonnen jährlich betragen mag — ich habe keine
Zahlen darüber gefunden —, die Gebührensumme (wegen der seitherigen
Ermässigungen jedoch nicht entsprechend höher) aber 12—15 Mill. Fr.,
so wäre das immer noch sehr wenig für alle Länder des Weltpostvereins.
Wahrscheinlich sind die wirklichen Zahlen aber sehr viel bescheidener.
Bei Hinzurechnung des mit subventionierten eigenen Post-
dampfern gehenden Verkehrs kommt natürlich viel mehr heraus.
England allein schickte in das Ausland und die Kolonien (1906/07)
3 166 000 engl. Pfund (zu 453 g) Briefe und Karten, sowie 25 324 000 engl.
Pfund andere Briefpostsendungen (zusammen 28 490 000 Pfund oder rund
13 000 Tonnen — zn 1000 kg —, davon bloss 32% nach Europa) und be
kam von da 2 915 000 Pfund Briefe und Karten und 9 562 000 Pfund andere
Sachen (zusammen 12 477 000 Pfund oder rund 5500 Tonnen, davon 42% aus
Europa). An festen Subventionen und Transitvergütungen gab Eng
land dafür aus 662318 £ = 13511287 M (davon bloss 28680 £ für Sendungen
nach Europa). Die festen eigenen Subventionen kommen in den Seetransit-
verrechnnngen, von denen oben die Rede war, natürlich nicht in Betracht,
da jedes Land, das eine Schiffslinie subventioniert, dafür unentgeltlich seine
Rost darauf zu befördern pflegt und auch die Transiteinnahmen für fremde
Sendungen dann bezieht. Aber ebenso, wie die festen Dampfer
subventionen, so sollte man auch die besonderen Transit-