Brief mehr geschrieben“ würde. Tatsächlich brachte diese
Reform (1900) aber schon im ersten Jahre eine Mehreinnahine
von 12 Millionen Mark und erforderte fast gar keine besonderen
Mehrausgaben. (Vgl. S. 135 f.).
Aber wenn die Verbilligung des AVeltbriefVerkehrs auch
wirklich unfehlbar für längere Zeit merkliche Ausfälle ver
ursachte, es käme gar nicht darauf an. Tatsächlich wird ja
durch die kostspieligen Postdampfersubventionen, die durch
die Posteinnahmen nicht gedeckt zu werden pflegen, diese meine
Ansicht wenigstens für den Verkehr mit den Kolonien und
einzelnen anderen Ländern anerkannt. Auch decken z. B. die
Gebühren und Portoeinnahmen in den deutschen Schutz
gebieten bei weitem nicht die Ausgaben für das dortige
Post- und Telegraphenwesen. Nach dem Reichs-Postetat
für 1909 (S. 57) betragen die Ausgaben hier 3 002 880 M, die
veranschlagten Einnahmen aber nur 1 671 300 M, so dass mithin
ein Zuschuss von 1 331 580 M erforderlich ist. Das Porto ist
demnach um 40% zu billig. Der Telegraph und vielfach auch
das Telephon arbeiten mit einem Defizit, der erstere im ganzen,
das letztere teilweise.
Auch in den Verkehrs- und städtearmen Provinzen und. auf
dem Lande erfordern die deutschen Postanlagen sowie die
anderer Länder zweifellos vielfach grosse Zuschüsse. Es ist
ein Mangel der Statistiken, dass sie uns darüber nicht deutliche
Unterlagen liefern, schon um den häufigen Streit der Verkehrs
interessen von Stadt und Land gerecht und billig schlichten
zu können. 1 )
■*) Aus der Deutschen Reichspoststatistik für 1907 (S. 51 f. u. 81 f.)
kann man durch Zusammenrechnung der angegebenen Zahlen die folgenden
Peststellungen machen.
Wir wollen Gross-Berlin mit Umgegend, also den Oberpost-
direktionsbezirk Berlin einerseits und die 8 Bezirke Bromberg, Danzig,
Frankfurt a. O., Gumbinnen, Königsberg, Köslin, Posen und
Stettin andererseits miteinander vergleichen. Der Bezirk Berlin ist nur
631 qkm gross (mit 3 067 000 Einwohnern), die 8 anderen Bezirke umfassen
die östlichen Provinzen Ost- und Westpreussen, Pommern, Posen und die
Osthälfte der Mark, zusammen über 140 000 qkm (mit 8V4 Millionen
Menschen).
Auf den Berliner Bezirk kommt ein Post- und Telegraphenpersonal