102
auf auch gar keinen Wert, da sie ,,nach einem Ver
fassungsgrundsatz der Vereinigten Staaten nicht als
Finanzinstitut angesehen werden, vielmehr im allge
meinen nur ihre Ausgaben decken soll“ 2 ).
Deshalb arbeitet sie schon etwa ein Jahrhundert lang fast
immer mit grossen Fehlbeträgen 3 ), und sobald einmal Über
schüsse eintreten, werden sogleich Portoherabsetzungen
vorgenommen oder kostspielige neue Üostanlagen und
Verbesserungen geschaffen. Das Verwaltungsjahr 1906/07
weist einen Fehlbetrag von 10,1 Millionen Dollar (42.4
Millionen Mark) auf. Diese hohen Unterbilanzen sind die Pegel,
namentlich in der letzten Zeit, wo der unrentable Landbestell
dienst unter Aufwendung von 80 Millionen Dollar immer weiter
ausgebaut wurde. Im letzten Jahrhundert belaufen sie sich viel
leicht auf eine Milliarde Mark.
Ob ein Postbetrieb mit dauerndem Defizit gerade nach
ahmenswert sei, darüber lässt sich streiten; aber hier ist doch
der Grundsatz, dass die staatliche Post keine Finanz- und Er
werbsanstalt, sondern ein gemeinnütziges — und zugleich in
direkt viel mehr nützendes — Institut sein müsse, aufs schärfste
durchgeführt.
Auch Stephan („Gosch, d. preuss. Post“, S. 729), der die
fiskalischen Interessen nie zu kurz kommen liess, hat sich
zwar nicht gegen Überschüsse, aber doch gegen zu hohe Über
schüsse ausgesprochen, wie sie z. B. unter dem preussischen
Generalpostmoister von Nagler (im Jahio 1825 etwa 33% der
3 ) So drückt sich Stephan in seiner „Geschichte der preussischen
Post“ (S. 651) über das amerikanische Postwesen aus. In der Verfassung
selbst habe ich freilich eine solche Bestimmung nicht entdecken können;
doch der erwähnte Grundsatz wird von jeher dnrehgeführt oder noch nicht
einmal durchgeführt, soweit er die Deckung betrifft.
3 ) Die Post der Vereinigten Staaten hatte in dem Jahrzehnt von
1896—1905 ein Betriebsdefizit von 363,78 Millionen Pranken, wie
man aus der Berner Weltpoststatistik feststellen kann, also durchschnitt
lich im Jahre 36,37 Millionen Franken oder 29 Millionen Mark,
im Jahre 1897 sogar das imposante Defizit von 57,62 Millionen Franken,
auch 1904 und 1905 noch je 53 Millionen Franken (= 42,4 Millionen Mark).
Im Laufe des 19. Jahrhunderts hat sie jedoch durchschnittlich alle 10 Jahre
ihre Einnahmen vordoppelt.