Object : Wirtschaft als Leben

Abschnitt  II.

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II.
Dort  draußen,  am  Saume  des  Odenwaldes,  im  schönen  Gelände
der  Bergstraße,  findet  sich  ein  Plätzchen,  das  ein  ganz  seltsamer  Anreiz
sein  kann,  über  Fragen  von  der  Art  der  jetzigen  zu  grübeln.  Dort
treten  sie  uns  greifbar  und  lebendig  entgegen;  wenn  auch  nicht  in
Fleisch  und  Blut,  so  doch  in  Stein  und  Moos.  Man  steigt  einen  sanften
Abhang  hinab,  und  der  Wald,  der  hier  jeden  Ausblick  verwehrt,  hält
zwei  Überraschungen  bereit  Eine  Lichtung,  die  sich  plötzlich  gegen
das  Tal  hin  öffnet,  ist  erfüllt  von  einem  dichten  Gedränge  mächtiger
Steinblöcke;  so  wirr  durcheinander  geschoben,  als  ob  da  eine  grauenhafte ­
  Bewegung,  ein  Schieben,  Pressen,  Auftürmen  und  Überstürzen,
urplötzlich  erstarrt  wäre.  Wenige  Schritte  seitab  von  diesem  „Felsenmeer“, ­
  wie  man  es  hier  nennt,  tragen  gewaltige  Blöcke  des  frei  aufliegenden ­
  Felsens  die  klaren,  aber  auch  schon  altersgrauen  Spuren
einer  Bearbeitung  durch  Menschenhand.  Es  sind  der  vollen  Breite
nach  Stufen  abgesprengt.  Aber  auch  hier,  mitten  in  dieser  Arbeit,
scheint  ein  plötzlicher  Stillstand  erfolgt  zu  sein,  so  daß  man  sie  in  allen
Stadien  vertreten  sieht:  Das  Ebnen  und  Glätten  der  Fläche,  das  Ziehen
der  Sprengritze,  das  Eintreiben  der  Löcher  für  die  Brecheisen,  das
Nachteufen  der  Bruchspalte,  bis  zur  gelungenen  Absprengung  der
Stufen,  von  denen  die  Ausmaße  annehmen  lassen,  daß  sie  für  Säulen
bestimmt  waren.  Ganz  in  der  Nähe  liegt  auch  ein  hünenhafter  Säulenschaft, ­
  tief  eingesunken  in  den  Untergrund,  die  vielberühmte  Riesensäule ­
  im  Auerbacher  Forst.
Wie  das  Felsenmeer  dort,  so  ist  auch  diese  Arbeitsstätte  ein  Ding,
das  aus  der  Zeit  verstanden  sein  will.  Da  wie  dort  ist  gleichsam  Geschehen ­
  erstarrt,  und  so  tritt  uns  in  Formen  des  nämlichen  Gesteins
zweifach  die  Frage  nach  dem  Einst  entgegen:  was  hat  jene  Klötze
dort  wirr  durcheinander  geworfen,  und  wessen  Hand  hat  hier  gewaltet  ?
Diese  Doppelfrage  macht  den  lauschigen  Winkel  an  der  Bergstraße
zu  einem  Stelldichein  mit  der  Vergangenheit,  recht  wie  wir  es  als
Schulbeispiel  brauchen.
Wir  nehmen  nun  an,  ein  Lokalhistoriker  belehrt  uns,  daß  jener
Steinbruch  aus  der  Römerzeit  stammt.  Ein  ortskundiger  Geologe  aber
klärt  uns  darüber  auf,  daß  jene  Klötze  niemals  durcheinander  geworfen
wurden;  vielmehr  sei  früher  eine  Schicht  zerklüfteten  Granites  dagewesen, ­
  und  den  hätte  das  atmosphärische  Wasser  so  lange  durchnagt ­
  und  nach  Teilstücken  abgerundet,  bis  das  Trugbild  dieses  gigan ­
            
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