Full text : Weltporto-Reform

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,dass  Veredlung  und  Vermehrung  der  Kommunikationsmittel
die  einzige  wahre  Postfinanzquelle  sei,  dass  inan  die  Ausgaben
nicht  beschränken,  sondern  reichere  Betriebsmittel  zweckmässig
anwenden  müsse',  und  im  Jahre  1832  sagte  der  Generalpostmeister ­
  in  einem  Berichte  an  des  Königs  Majestät  über  Einmischungen ­
  der  Oberrechnungskammer  in  den  materiellen
Teil  der  Verwaltung:  ,Was  würde  aus  dem  Postinstitute  werden,
wenn  der  Ohef  desselben  den  einseitigen  Ideen  von  Sparsamkeit
und  strenger  Fiskalität  die  Beförderung  der  Gemeinnützigkeit
der  Posten  aufopfern  wollte!'.“  Nagler  klagte  über  Versuche  der
Finanzorgane,  seine  freien  Befugnisse  zu  beschränken  und  zu
verkümmern  und  antwortete  auf  die  -Ersparungsprojekte  der
unter  Vorsitz  des  Finanzministers  eingesetzten  Finanzkommission
etwas  empfindlich,  dass  es  „wohl  nicht  die  Absicht  sein  könne,
statt  der  Prediger  die  Küster  die  Predigten  vorlesen  zu  lassen“.
Solchen  Hindernissen  begegnen  Postreformen  auch  heute  noch
in  aller  Herren  Länder.  Nagler  wurde  freilich  in  späterer  Zeit
selbst  immer  mehr  fiskalisch  und  reformfeindlich.  Auch  er  hatte
sich  mit  der  Zeit  an  die  Fiskalität  gewöhnt.  Das  alte  neue
Lied  von  der  ungünstigen  Finanzlage  erklang  auch  damals  gegen
notwendige  Portoreformen,  ebenso  wie  das  später  unter  dem
gealterten  Generalpostmeister  und  Staatssekretär  Stephan  im
Deutschen  Reiche  in  seiner  letzten  Zeit  wieder  der  Fall  war.
Auch  damals  stiessen  dringliche  Reformen  beharrlich  auf  Widerstand, ­
  begründet  mit  der  Finanzlage,  allerdings  anscheinend  oft
gegen  den  Willen  Stephans.
Schon  bei  der  Postetatberatung  im  Reichstage  Ende
Januar  1896  wurde  Stephan  angegriffen,  als  er  u.  a.  die  Erhöhung ­
  des  einfachen  Briefgewichts  von  15  auf  20  g  ablehnte,
und  der  Staatssekretär  des  Reichssohatzamts  sekundierte  ihm  und
wies  auf  die  ungünstige  Finanzlage  hin.  1897  (28.—30.  Januar)
wiederholten  sich  diese  Angriffe.  Selbst  der  nationalliberale
Abgeordnete  Kammacher  meinte,  Stephan  sei  nicht  mehr  der
alte,  nicht  mehr  der  deutsche  Rowland  Hill.
Stephan  deutete  damals  an,  dass  er  in  der  Finanzverwaltung ­
  und  bei  denen,  die  'mitzureden  hatten,  Widerstände
fände.  Er  sagte 6 ):  „Ich  bin  Vertreter  der  verbündeten

°)  „Archiv  für  Post  und  Telegraphie“  1897,  S.  86.
            
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