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gar nicht lohnt 3 ) (S. 133). Jetzt will England das unglückliche
Beispiel nachahmen und spekuliert gar auf 12 Millionen Mark als
Ertrag. Wenn man sich dort nur nicht ähnlich verrechnet!
II. Klasse sank die Einnahme gegen 1906 um 2,24% und wäre bei regel
mässiger Eortent Wickelung seit 1905 um 14bis 16 Millionen grösser
gewesen. Selbst in der III. Klasse ging sie gegen das Vorjahr (1906) um
0,63 % zurück und wäre nach der Entwickelung seit 1905 um
16 Millionen höher ausgefallen. Dafür brachte wenigstens die
IV. Klasse 1907 gegenüber 1906 11,5% und gegen 1905 19,5% an Mehr
einnahmen; 1907 etwa 6—7 Millionen mehr, als zu erwarten waren.
Natürlich kann man hier nicht mit Gewissheiten rechnen, aber doch ungefähr
. schätzen. Hiernach scheint es aber ganz glaubhaft, wenn man für 1907
der Fahrkartensteuer allein einen Verlust (durch Minderzuwachs der Ein
nahme) von 15 Millionen in die Schuhe schiebt, den Rest aber der Tarif
reform, und beide zusammen waren an dem allgemeinen Verkehrsrückgang
auch wesentlich mit schuld, nicht bloss die wirtschaftliche Konjunktur.
Eine Aufhebung der misslungenen und sowohl der Staats
kasse wie dem Publikum feindlichen Fahrkartensteuer erscheint
daher durchaus empfehlenswert, und es war anzuerkennen, dass die
verbündeten Regierungen ihren Fehler von 1906 — denn sie haben sie seiner
Zeit leider gutgeheissen — eingestanden und wieder gutmachen wollten. Eine
Ausdehnung auch auf die IV. Klasse, von der wieder die Rede ist, wäre
erst recht verkehrt. Auch sogenannte Verbesserungen des Tarifs der jetzigen
Steuer sind eine unglückliche Idee, aber leider nicht ausgeschlossen.
Ich für meine Person würde jedoch an dem Gedanken, dass die
einzelstaatlichen deutschen Bahnen etwas für die Reichskasse beisteuern
können, dennoch festhalten, nur in ganz anderer Form. Es würde sich
empfehlen, dass endlich auch der weitere Fernverkehr für Reisen
wesentlich verbilligt werde, sei es nun durch Zonentarife oder
Staffeltarife. Eine wesentliche Verbilligung würde zu bedeutenden
Verkehrssteigerungen führen, die sich in anderen Ländern mit der
artiger Erfahrung in manchen Entfernungsstufen auf 300 bis 600%, ja selbst
bis zu 1500 % beliefen, wie ich aus amtlichen Betriebsberichten ganz genau
und sorgfältig festgestellt oder berechnet habe. Gütertarife und Post
pakettaxen gewähren längst eine billigere Fern Versendung, und Zonen
tarife für den Menschenverkehx mit fallenden Preisen bestehen in zahl
reichen Ländern.
Es Hesse sich nun, um die weniger rentablen kleineren Staatsbahn
netze und kleineren Eisenbahnen schonend zu behandeln, vielleicht derart
verfahren, dass man von den Fernreisen stets für das Reich be
stimmte feste Anteile erhöbe, aber erst, soweit der Ertrag des Status
quo überschritten wird. Die Schonung würde sich auch dadurch von selbst
ergeben, dass weite Fernreisen auf den kleineren Einzelstaatsbalumetzen
überhaupt seltener vorkämen. Nach Erhebungen in Preussen vom Jahre 1893