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dem Verkehr genügt wird, der dann mittelbar auch dein Staat
vermehrte Einkünfte zuführt.
Die Aussicht einer Yerkehrssteigerung ist in den
verschiedenen Ländern natürlich verschieden. Die all
gemeine Verkehrs- und Kulturentwicklung, Handel, Industrie,
Volks Vermehrung und Bildung, Betriebsamkeit und Unternehmungs
lust usw. spielen dabei mit.
In Frankreich zeigte sich vor 50—60 Jahren nur eine
geringe Verkehrszunahme nach verschiedenen grossen Porto
verbilligungen, wie man aus Belloc’s Geschichte der französischen
Post ersehen kann. Heute scheinen trotz der mangelnden
Bevölkerungszunahme, aber wegen der gestiegenen Betriebsam
keit und Bildung, die Verhältnisse darin doch günstiger zu liegen °),
Tn Deutschland mit seiner fieberhaften industriellen und
kommerziellen Entwicklung und grossen Bevölkerungszunahme
ist in ähnlichen Fällen auf besonders grosse Verkehrs Steigerungen
sicherer zu rechnen. Vor 40—50 Jahren war das freilich noch
anders. Das 10 Pf.-Porto vom 1. Januar 1868 (an Stelle des
6 ) Am 16. April 1906 wurde in Frankreich das Briefporto von 15 auf
10 Centimes (8 Pf.) für je 15 g herabgesetzt.
Bei der Beratung des Etats für 1904 wurde dem Bericht der Budget
kommission eine Berechnung beigegeben, wonach diese Reform einen rechne
rischen Einnahmeansfall von 43 Mill. Franken nebst 7 Millionen Mehraus
gaben infolge der Verkehrssteigerung verursachen würde. Doch hoffte der
Bericht, dass die Briefverkehrssteigemng und die dadurch zu erwartende
Steigerung des allgemeinen Postverkehrs den Ausfall bereits im ersten Jahr
auf 25 Millionen herabmindern und ihn in einem Jahrzehnt ganz ansgleichen
würde. Auch wurde schon durch Verordnung vom. November 1903 der Tarif
der Ansichtskarten mit 5 schriftlichen Worten (bisher wie Postkarten
10 Centimes) auf 5 Centimes herabgesetzt (vgl. Archiv für Post und Tele
graphie 1904, S. 580 ff., in einem Aufsatz von H. Herzog).
Von Mitte April bis Ende Dezember 1906 nahm nun die Zahl der
Briefe um 17 °/ 0 zu, und die Portoeinnahme daraus wies gegen den gleichen
Zeitraum des Vorjahres 1905 eine Mindereinnahme von 22,3 Mill. Fr. auf.
Doch bei den anderen Postsendungen war sie um 8,1 Mill. Fr. gestiegen.
Die Verwaltung schätzte jetzt schon in einem Bericht, dass unter solchen
Umständen bereits in 3 Jahren die alte Gesamteinnahme von 190o wieder
erreicht werden würde; heim Briefverkehr für sich allerdings erst in 6 bis
7 Jahren. Die Mehrausgaben bis Ende 1906 hätten sich auf 4,4 Mill. Fr.