Full text : Weltporto-Reform

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Reihe  von  tatsächlich  erfolgten  Portoermässigungen  4 )
dieser  Art,  besonders  ans  den  Herabsetzungen  im  Kolonialverkehr, ­
  manche  AVahrscheinlichkeitsschlüsse  ziehen.
Ich  habe  mir  die  Mühe  gemacht,  eine  Anzahl  solcher  Portoreformen ­
  möglichst  genau  an  der  Hand  der  Statistik  in  ihren
Wirkungen  zu  verfolgen  und  führe  sie  nachstehend  vor.
1.  Das  englische  Kolonialreichsporto.
(Imperial  Penny-Postage.)
Am  Weihnachtstage  1898  (25.  Dez.)  wurde  im  Verkehr  Englands  mit
den  meisten  seiner  Kolonien  das  Weltpostvereinsporto  von  2  %  d  auf  1  d
für  i/jj  Unze  (14,17  g)  herabgesetzt.  In  einigen  Kolonien  war  das  Weltporto
vorher  noch  höher,  da  Seeportozuschläge  für  weite  Strecken  bestanden.
Diese  Herabsetzung  galt  auch  im  Verkehr  mit  Indien,  mit  Kanada  und
Neufundland,  mit  Natal  und  den  Kronkolonien.  Sie  bezog  sich  auch
auf  den  Verkehr  der  Kolonien  untereinander.
Die  Kapkolonie  trat  erst  am  1.  September  1899  (vom  Oktober  ab),
Oranje  und  Transvaal  im  Dezember  1900  diesem  Imperial  Penny-Postage-Abkommen
  bei,  Neuseeland  vom  1.  Januar  1901  ab,  Ehodesia  am
I,  Januar  1903,  Australien  aber  erst  vom  1.  April  1905  ab  (doch  galt  von
daher  noch  das  dortige  innere  Porto  von  2  d)  und  Ägypten,  der  englische
Schutzstaat  unter  türkischer  Oberhoheit,  am  15.  Dezember  1905.
Zu  berücksichtigen  ist,  dass  vom  Oktober  1899  bis  Frühling  ,1902  der
Krieg  Englands  gegen  die  alsbald  ganz  einverleibten  Burenrepubliken  dauerte,
welcher  natürlich  zeitweilig  zu  einem  aussergewölmlichen  Verkehr  führte,
der  dann  wieder  abflaute.
Das  Postkartenporto  (1  d  im  Weltpostverkehr)  blieb  unverändert,  war
also  dem  Briefporto  des  Kolonialverkehrs  gleich  geworden.  Uns  interessiert

4 )  Auch  Portoerhöhungen  sind  oft  lehrreich,  wie  schon  oben  dargelegt ­
  wurde.  Stephan  zeigt  in  seiner  Geschichte  der  preussiSchen  Post
(S.  759  ff.),  wie  die  Briefportoerhöhung  um  20%  vom  Jahre  1824,  die
möglichst  7—800  000  Taler  mehr  einbringen  sollte,  bloss  40  bis
80000  Taler  mehr  einbrachte  und  „keineswegs  die  davon  erwartete ­
  günstige  finanzielle  Wirkung  hervorrief“.  Die  Portoermässigung
  vom  1.  Oktober  1844  dagegen,  die  einen  Ausfall  von
700  000  Talern  verursachen  sollte,  brachte  1845  bloss  einen  Ausfall  von
300  000  Talern,  und  1847  war  die  alte  Portoeinnahme  von  1843  und  1844
bereits  um  150  000  Taler  übertroffen.  —  In  Dänemark  war  1902  eine
Portoerhöhung  von  8  auf  10  Oere  für  Briefe  geplant,  und  sie  ist  auch  m.W.
bald  darauf  durchgeführt  worden.  In  Oesterreich  wurden  die  Ortsbriefe
am  1.  Januar  1907  von  (i  auf  10  Heller  erhöht.  Es  wäre  wichtig,  die  Wirkungen ­
  auch  dieser  Verkehrserschwerungen  genau  zu  verfolgen.
            
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