144
liier die Frage, wie sich der, Verkehr seit Einführung des Kolonial-Peuny-
portos entwickelt hat und oh er merklich und weit mehr als vorher
gestiegen sei.
Eine Antwort hierauf gibt uns die amtliche Statistik. Leider ver
öffentlicht England nur von Zeit zu Zeit Angaben über die Stückzahl der
internationalen Brief Sendungen; meist werden nur die versandten Gewichts
mengen angegeben. Ich habe nun nachstehend diese Zahlen zusammen
gestellt und absichtlich auch einige Zahlen über den Verkehr mit den
andern Ländern beigegeben, damit man sehen kann, wie auch hier der
Verkehr oft auffallend stark gestiegen ist, sodass man bei einer starken
Portoermässigung jedenfalls zweifellos auf einen ganz besonders grossen
Zuwachs rechnen dürfte, und sofern der Verkehr nicht hohen Transitabgaben
unterliegt, auch auf einen besonders schnellen Ersatz der etwaigen Eiunahme-
ausfälle. Nach fernen entlegenen Ländern, wohin die Post oft Wochen lang
unterwegs ist und seltenere Verbindungen aufweist, kann die Steigerung
natürlich nicht immer ebenso schnell vor sich gehen, wie nach nähern
Ländern mit viel häufigeren und regeren Beziehungen.
In der unten folgenden Statistik sind Briefe und Postkarten, sei
es nun nach der Stückzahl oder nach Gewicht, immer zusammen ange
geben. Doch sei bemerkt, dass im Kolonialverkehr die Postkarten eine
untergeordnete Bolle spielen, erstlich weil sie bei geringerer Schreib
fläche ebenso teuer sind wie ein Brief, und dann, weil man bei überseeischen
und selteneren Beziehungen geschlossene ausführliche Briefe ohnehin stets
bevorzugt. 1906 z. B. gingen nach den englischen Kolonien 41,6 Millionen
Briefe, aber nur 2,8 Millionen Postkarten; das entspricht 6.6% von der Zahl
der Briefe. Von den 70,8 Millionen Briefen nach andern Ländern machen
aber die daneben versandten eben dahin gehenden Postkarten (14,2 Millionen)
im allgemeinen Durchschnitt 20 % aus. Tatsächlich gehen aber von diesen
14,2 Millionen Karten allein 12 Millionen nach Europa, z. B. nach Deutsch
land 3,07 Millionen (neben 12,2 Mül. Briefen), nach Bussland 600,000 (neben
1,55 Mill. Briefen), sodass hier also die Postkarten etwa V 4 Ins 1 / 3 von der
Zahl der Briefe gleichkommen. Auch im englischen Inlandsverkehr
(2694 Mill. Briefe u. 806 Mill. Karten) machen sie fast % der Briefzahl ans.
Von Interesse ist die Feststellung, dass die englische Postverwaltung
1906/07 an Postdampfersubventionen und Vergütungen nach Gewicht für die
Postbefördernng nach Ländern Europas nur 28680 £, nach Amerika 198 488 £,
nach Afrika 32 988 £ und nach Asien und Australien 402162 £ (zusammen
662318 £) ausgab.*)
Man ersieht daraus, dass im Verkehr nach den nahen europäischen
Ländern — dieser Verkehr macht 43,2% aller Ins Ausland gehenden Briefe
und Postkarten aus, während der nach Asien 11,7%, nach Afrika 12,2, nach
Amerika 26,7 und nach Australien 6,2 % beträgt — die Beförderungskosten
die geringsten sind, trotzdem gerade dieser Verkehr der grösste ist, und
dass daher bei einer starken Verkehrssteigerung infolge einer Weltporto-
*) Vgl. Archiv f. Post u, Tel. 1E08, S. 379 (nach dem engl. Verwaltungsbericht).