Full text : Weltporto-Reform

—  II  —
Schluss  des  Chinesischen  Reiches,  dessen  Eintritt  in  den  Weltpostverein
nahe  ist,  und  das  mit  den  wichtigsten  Ländern  schon  im  Pennyportoverhältnis
  steht,  würden  es  insgesamt  136  Länder,  125  445  000  qkm  und
1497  Millionen  Menschen  sein,  die  als  einheitliches  Postgebiet  für  das  billige
Einheitsbriefporto  in  Frage  kämen.
Noch  genauer  betrachtet  müsste  man  aber  auch  den  grössten  Teil
der  von  den  Postdampfern  der  Welt  durchkreuzten  Wasserfläche  des  Erdballs
(365  400  000  qkml  mit  hinzurechnen,  so  dass  dann  die  ungeheuere  Ausdehnung ­
  von  490  845  000  qkm  oder  das  1558fache  des  Flächenraums  von
Grossbritannien  als  Geltungsbereich  des  Welt-Pennypoitos  herauskäme,  ein
Gebiet  mit  Strecken,  die  allein  in  gerader  Linie  bis  zu  den  Antipoden
schon  über  20  000  km  ergeben,  aber  nach  dem  Laufe  der  wirklichen  Verkehrsstrassen ­
  oft  über  35  000  km  ausmachen,  also  das  35  fache  der  Ausdehnung ­
  Englands.
Während  nun  in  England  der  innere  Briefverkehr,  der  vor  1840  bestand ­
  und  alsdann  zum  Pennyporto  überging,  jährlich  nur  82  Millionen  ausmaohte,
  so  dürfte  der  Internationale  Verkehr  aller  Länder  heute  (1907)
etwa  1100  Millionen  Briefe  aufweisen,  von  denen  allerdings  nahezu  die
Hälfte  infolge  der  bestehenden  Postvereinsabkommen  und  Kolonialposttarife
schon  dem  billigen  Inlandsporto  unterliegt.  Wenn  das  angestrebte  Welt-Pennyporto
  aber  im  ganzen  auch  eine  so  gewaltige  Summe  von  Sendungen
aller  Länder  des  gesamten  Erdballs  trifft,  so  ist  das  finanzielle  Risiko  der
einzelnen  Postverwaltungen  doch  wieder  winzig  klein  im  Verhältnis  zum
Risiko  Englands  von  1840  oder  zu  einer  etwaigen  Portoherabsetzung  des
grossen  Inlandverkehrs.  Darin  besteht  ein  mächtiger  Unterschied  zwischen
heute  und  ehedem.  Im  Gesamtverkehr  der  Länder  des  Weltpostvereins,
der  1907  für  In-  und  Ausland  etwa  39  Milliarden  Briefpostsendungen,
davon  17 2 / 3  Milliarden  Briefe  aufwies,  ist  der  internationale  Briefverkehr
sogar  sehr  klein.
Der  englische  Postüberschuss  von  1839  (1  033  764  £)  wurde  durch
die  Pennyporto-Reform  von  1840  fast  um  70  %  oder  um  1  132  000  £  verringert ­
  und  fiel  auf  500  789  £.  Der  gegenwärtige  englische  Postüberschuss
(1906/07:  5  071  255  £)  würde  durch  Einführung  des  Welt-Pennyportos  nach
allen  anderen  Ländern  aber  höchstens  um  knapp  6—7  %  oder  etwa
350  000  £  vermindert  werden  und  bei  der  zu  gewärtigenden  Verkehrssteigerung ­
  (um  Va)  vielleicht  bloss  um  4  Vs  °/q,  aber  auch  nur  im  ersten  Jahr
(vgl.  S.  1  05  f.  .u.  179),  später  dagegen  sicherlich  um  viel  weniger.
1840  ging  man  von  17  Pence  im  Maximum  und  4  Pence  im  Minimum
allgemein  für  den  ganzen  grossen  Inlands  verkehr  auf  1  Penny  herunter;
heute  handelt  es  sich  aber  bloss  darum,  den  Tarif  für  einen  Teil  des  verhältnismässig ­
  geringen  Auslands  Verkehrs,  der  kaum  i l l-2°lo  der  inländischen
Briefzahl  Englands  ausmacht,  von  2Va  auf  1  Penny  zu  ermässigen.
Wenn  alle  Länder  diesen  Schritt  mitmachen,  so  würden  darauf  in
weit  verstärktem  Masse  die  Worte  Alfred  de  Foville’s  über  den  Weltpostverein ­
  in  seinem  Buche  „La  transformation  des  moyens  de  transport  et  ses
cousequences“  (Paris  1880)  zutreffen.  Er  schrieb  damals:  „Das  Jahr  1875
            
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