Gesagte nun dahin zusammen: Die inneren Taxen für Briefe,
Karten, Drucksachen usw., nach einer vorwiegenden
Durchschnittsnorm festgesetzt, würden also das Ziel
des neuen Weltportos sein, das wir in weiterem Sinne als
Weltpennyporto bezeichnen.
Einstweilen aber soll das erste und nächste Ziel die
allgemeine Durchführung des Penny- oder 10-Oentimes-Portos
für geschlossene Briefe im Weltverkehr sein.
Die innere Taxe für die anderen Briefpostkategorien soll und
wird ihr folgen, aber sie kann hinausgeschoben- werden, wie sie
ja im englischen und französischen Kolonialverkehr und in
vielen anderen Postvereinen noch fehlt, um die finanzielle
Durchführbarkeit des Weltpennyportos nicht zu erschweren.
Es lässt sich auch nachweisen, dass im internationalen Briefpostverkehr
die geschlossenen Briefe im Durchschnitt das wichtigste
Verkehrsmittel sind und hier eine Verkehrserleichterung,
schon weil sie am teuersten tarifiert sind, das grösste Bedürfnis ist.
Man beachte die folgenden Zahlen! Aus Deutschland (einschliesslich
Bayern und Württemberg) gingen 1907 nach dem
Auslande: 190 Millionen Briefe, 53 Millionen Postkarten,
80 Millionen Drucksachen, 9Vs Millionen Warenproben und
1 Million Geschäftspapiere; aus England 118 Millionen Briefe,
17 Millionen Karten und 84 Millionen Drucksachen. Wie man
sieht, überwiegen also die Briefe bei weitem nicht nur die Postkarten,
diese andere Briefform, sondern auch die Drucksachen
und sonstigen Sendungen. Das ist die Regel, die nur wenige
Ausnahmen aufweist.
Und während im inneren Verkehr die Postkarten gewöhnlich
verhältnismässig zahlreich sind, spielt sich der auswärtige
Nachrichtenverkehr meist noch viel mehr in Form geschlossener
Briefe ab, bedarf also bei diesen, die 2—2 1 /z mal teurer sind,
zweifellos in höherem Masse einer Portoerl eich terun.
Wenn man Briefe und Postkarten als Nachrichten zusammenfasst
(100 D /o), so machen im Inlandsverkehr Deutschlands
(1907) die Briefe 61,2 °/o dieser Nachrichten aus, im Verkehr
nach auswärts aber 78 %, während die inländischen Karten nur
38,8 %j die nach dem Ausland aber bloss 22 °/o betragen.