Full text: Weltporto-Reform

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Nur würde dieses Verfahren den Tarif wieder viel unüber 
sichtlicher machen und zu häufigen Falschfrankierungen Anlass 
geben, sodass es höchstens als Ubergangsstadium in Betracht käme. 
Es liegt eigentlich in der Natur jeder Verkehrsverwaltung, 
dass sie an sich geneigt sein muss, den Verkehr zu erleichtern 
und zu fördern. Ein Gegengewicht schaffen nur die allgemeinen 
finanziellen Staatsinteressen und die mitunter übermächtigen 
fiskalischen Einflüsse der Finanzministerien. Doch wird es den 
Postministern im Grunde ihres Herzens doch stets angenehm 
sein, wenn ihnen durch gute Gründe für zeitgemässe Reformen 
dazu der Rücken gestärkt wird. In diesem Sinne hoffe ich, 
wird mein Buch auch ein wenig wirksam sein. 
nur 1,92 Millionen Franken oder 1,53 Millionen Mark als Minder 
einnahme. 
Ans Algier gingen nach Deutschland nur 266 000 Briefe, nach 
deutschen Kolonien aber bloß 15; das ist ein theoretischer Ausfall von etwa 
40 000 Fr. Aus Französisch Guinea waren es 40 500 Briefe (Ausfall 
6000 Fr.), aus Franz. Indochina 16 500 (Ausfall etwa 2000 Fr.), aus 
Madagascar 5000 Briefe (Ausfall 750 Fr.). Aus den übrigen französischen 
Kolonien zählen die Briefe blos nach Hunderten. 
Ein Anschluss Frankreichs gleich an den deutsch-österreichischen 
Postverein würde finanziell auch, nicht so schwer sein, da die französischen 
Briefe nach Österreich-Ungarn mit Bosnien nur 2 698 000 Stück 
ansmachen (Ausfall etwa 400 000 Fr.), während aus Österreich nach 
Frankreich 2 525 000 Briefe (Ausfall etwa 380 000 Kronen) und aus 
Ungarn dahin nur 592 000 Briefe (Ausfall etwa 90 000 Kronen) abgingen. 
Auch ein Postverein Frankreichs mit Belgien, der ja längst an 
gestrebt wird, und mit der Schweiz wäre wegen der französisch redenden 
Bevölkerung in diesen Ländern natürlich, ebenso mit den romanischen 
Nationen, Spanien und Italien, welches nach Frankreich seine grösste 
Korrespondenz hat. 
Eine weitere Kombination, die natürlich erschiene, wäre ein Anschluss 
Italiens an deu deutsch-österreichischen Postvereiu, einschliesslich der 
beiderseitigen Kolonien. Denn einmal weist Oesterreich, vorzugsweise in 
Tirol, Triest und Dalmatien, etwa 3 / 4 Millionen Italiener auf; andererseits 
bestehen wegen des früheren österreichischen Besitzes in Oberitalien und 
der damaligen postalischen Einheit dieser Gebiete doch rege Beziehungen, 
und endlich sind die Länder des Dreibundes seit 30 Jahren durch ihr 
politisches Verhältnis und ihren sehr regen Reise- und Handelsverkehr 
sich näher getreten. Italien sendet (1907) nach Österreich 3,780,000, nach
	        
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