Full text : Weltporto-Reform

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C  Kolonialreichs  -  Postvereine.
In  der  letzten  Zeit  ist  die  auffallende  Erscheinung  zutage
getreten,  dass  die  Kolonialstaaten  der  Erde  grosse  Postvereine
des  Mutterlandes  mit  den  weitverstreuten  Kolonien  gebildet
haben,  so  dass  inf  ganzen  Gebiet  eines  solchen  Reiches  nicht
das  Weltpostvereinsporto,  sondern  ein  niedrigeres,  besonderes
Porto  gilt,  gewöhnlich  das  interne  Porto,  sei  es  nun  für  Briefe
allein,  wie  im  britischen  Weltreich,  oder  sei  es  auch  für  die
andern  Briefpostsendungen,  für  Postkarten,  Drucksachen,  Warenproben ­
  und  Gescliäftspapiere.
In  manchen  Ländern  galt  schon  längst  der  interne  Tarif
auch  für  einen  Teil  der  Kolonien,  z.  B.  Frankreich  und  Algier,
Italien  und  Erythräa  oder  Dänemark,  die  Färöer  und  Grönland.
Im  letzten  Jahrzehnt  aber  ist  diese  postalische  Tarifeinheit  nahezu
auf  alle  Kolonien  ausgedehnt  worden,  auch  da,  wo  diese  sich
grosser  Selbständigkeit  erfreuten  und  eigene,  ganz  unabhängige
Postverwaltungen  besassen.  Die  Erkenntnis,  dass  der  Weltposttarif ­
  noch  viel  zu  teuer  sei,  um  ganz  ungehinderten  Verkehr  zu
ermöglichen,  ist  dabei  natürlich  ausschlaggebend  gewesen,  wenn
auch  oft  politische,  nationale  und  imperialistische  Gedanken
mitgespielt  haben  mögen.
Besonders  diese  Entwicklung  hat  dazu  geführt,  dass  das
Porto  des  Weltpostvereins  jetzt  in  der  wunderlichsten  Weise
durchbrochen  ist,  dass  also  das  billige  Inlandsporto,  z.  B.  etwa
das  englische  Penny  -  Porto,  wie  mit  Polypenarmen  den  ganzen
Erdball  umfasst,  dass  wiederum  von  vielen  anderen  Kolonialreichen ­
  aus  gleiche  Polypenarme  eines  anderen  billigen  Inlandsportos, ­
  etwa  des  französischen  10  -  Centimes  -  Portos  oder  des
deutschen  10  -  Pf.  -  Portos,  die  Welt  umschlingen,  dass  die  so
billigen  Briefbeförderungsstrecken  parallel  laufen  oder  sich  bei
den  Antipoden  berühren  und  kreuzen,  und  dass  die  dicht  beisammenliegenden ­
  oder  aneinandergrenzenden  Mutterländer  oder
deren  Kolonien  sich  dennoch  gegenseitig  als  postalisches  Ausland ­
  behandeln  und  mit  einem  zwei-  bis  zweieinhalbfach  so
hohen  Porto  belegen.  Diese  eingerissene  wunderliche  Buntscheckigkeit
  muss  wieder  aufhören;  es  müssen  Brücken  geschlagen ­
  werden  von  Land  zu  Land,  von  Kolonie  zu  Kolonie,
            
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