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von Seepost zu Seepost, von Landpost zu Landpost, und ein
neues, niedriges, etwa dem -durchschnittlichen inneren Tarif
gleiches Porto muss wieder Einheitlichkeit in den Weltpostverein
bringen. Das postalische Ausland muss endlich zum postalischen
Inland werden. Das ist das letzte und nächste Ziel. AVenu man
sieht, wie gewaltig gross die bereits vorhandenen Kolonialpost
vereine sind, und wie klein daneben die übrigbleibenden isolierten
Länder, so wird diese Forderung doppelt berechtigt erscheinen.
Die nachstehende Uebersicht über die Kolonialpostvereine
und ihre Grösse und Einwohnerzahl soll das näher veranschau
lichen 1 ). Russland, die Türkei und Japan rechne ich wegen
ihres ausgebreiteten Länderbesitzes auch zu den Kolonialreichen.
Man wolle sich nun gewärtig halten, dass der ganze Weltpost
verein Ende 1907 nach den Angaben des Internationalen Bureaus
114 Millionen Quadratkilometer mit 1151 Millionen Ein
wohnern zählte, ohne Abessinien (800 000 qkm mit 8 Milk Einw.),
das erst am 1. Kov. 1908 beitrat, und Ende 1908 waren es 114,3
Mül. qkm und 1166,7 Mill. Einw. 2 ). Und nun sehe man einmal zu
wie gewaltige Gebiete innerhalb jener 114 Millionen Quadrat
kilometer, nämlich solche von 20—30 Millionen Quadratkilometer n
schon als einheitliche Postgebiete dastehen und nur noch der
gegenseitigen Verbindung harren, um von neuem ein zusammen
hängendes, einheitliches Ganzes zu bilden: das Welt-Penny-
Porto-Gebiet, das neue Gebiet des Inlandsportos.
*) Leider fehlt es noch an einer zusammenhängenden wissenschaftlichen
Darstellung der Entwicklung dieser Kolonialpostvereine und der Post
vereine überhaupt. Doch findet man einiges wenige darüber in Aufsätzen der
„Deutschen Verkehrs-Zeitung“ 1890, Nr. 20 („Kolonial- und Marine
briefe“, S. 255—256), und 1899, Nr. 22 („Weltpostbriefporto“, S. 277
bis 279). lieber den Stand des Portos der vorhandenen Sonderpostvereine
kann man sich unterrichten in dem bereits erwähnten, vom Internationalen
Bureau des Weltpostvereins im Juli 1907 herausgegebenen Heft „Recueil
de renseignements d’interet general concernant l’execution de la- Convention
principale du 26. Mai 1906“. Leider sind die Angaben über die Sonder
tarife nicht neben dem Weltporto tabellarisch und übersichtlich zusammen
gestellt, sondern in hinten angehängten Anmerkungen enthalten, deren
Exzerpierung viel Mühe und Zeit erfordert. Auch fehlen vergleichbare
Münz wertb erechuungen.
2 ) Heber Abessinien vgl. „Archiv f. P. u. T.“ 1908, S. 581 und „L’Union
postale“ 1908, S. 192.