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Mexiko u. a. Aber liier waren es zwei so wichtige Handelsreiche mit
grosser Bevölkerung.
In Frankreich und England wirkten Handelskreise für ein ähnliches
Abkommen wie das englisch-amerikanische, 8 ) und in Deutschland forderten
zahlreiche Artikel der Presse im Verkehr mit Amerika das gleiche (vgl. S. 16).
Die französische Postverwaltung soll (nach der „Times“) 9 )
schon etwa Ende März 1908 dem britischen Generalpostamt für den Wechsel
verkehr beider Länder ein Briefporto von je 15 Centimes oder lV 3 Pence
vorgeschlagen haben, doch letzteres erklärte, wegen des unfehlbar sich er
gebenden finanziellen Ausfalls sei es zurzeit nicht in der Lage, der An
regung näher zu treten.
In einer Zuschrift an die „Times“ 10 ) wandte sich der englische
Generalpostmeister gegen die in der Presse geäusserte Ansicht, dass
die Mehreinnahme infolge einerYerkehrssteigerung nach Portoherabsetzungen
ohne weiteres eine Reineinnahme bedeute. Im letzten Jahrzehnt seien die
Briefsendungen Englands um 50°/ 0 und die Einnahmen um 43% oder
5 >/ 4 Millionen £ gestiegen. Doch zugleich seien die Ausgaben um 4 Mil
lionen £ (oder 49 %'' gewachsen. Nach seinem Betriebsbericht (1907/8)
hat sich in demselben 10jährigen Zeitraum das Verhältnis der Ein
nahmen zu den Ausgaben um 4% verschlechtert, wovon 3% auf
Besoldungsaufbesserungen und 1% auf Portoermässigungen
(auch die im Kolonialverkehr) zu rechnen seien. 11 )
Wenn die Postsendungen anwüchsen, müsse man das
Sortier- und Bestellpersonal vermehren, die Diensträume ver-
grössern, die Verkehrsmittel vermehren und die Transitent
schädigungen an Eisenbahnen und Schiffsgesellsohaften ent
sprechend steigern. Alljährlich nähmen die Betriebskosten um 180000 «£
(3,6 Millionen Mark) zu, bei aussergewohnlichen Verkehrssteigerungen
infolge von Portoherabsetzungen aber in entsprechendem Masse. 12 )
Hiernach scheint der Generalpostmeister also ein weiteres Anwachsen
und Erleichtern des Verkehrs fast als Unglück anznsehen, das schliesslich
zum Bankrott der Postverwaltung führen muss.
Allein ganz so schlimm wird es doch wohl nicht sein. AlsRowland
Hill 1837 das interne Peni^-Porto vorschlug, wandte der damalige englische
Generalpostmeister dagegen ein, das ganze Grundstück des Hauptpostamts
würde nicht gross genug sein, um die Briefe und Beamten zu fassen, die
infolge der zu gewärtigenden Verkehrszunahme notwendig werden würden.
8 ) Schon am 12. Juni meldete die „D. Verk.-Ztg.“ 1908, S. 345, über
solche Bestrebungen.
9 ) Vgl. „D. Verk.-Ztg.“ 1906, Nr. 26 (vom 26. Juni), S. 364.
10 ) Vgl. „D. Verk.-Ztg.“ 1908, Nr. 30 (vom 24. Juli), S. 497.
n ) Vgl. „D. Verk.-Ztg.“ 1908, Nr. 41 (vom 9. Oktober), S. 520.
12 ) Vgl. auch „D. Verk.-Ztg.“ 1908, S, 444f., wo aus einem längeren Be
richt des englischen Geueralpostmeisters ähnliche Aussprüche wieder
gegeben werden.