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Zu Ende des Jahres 1900 wandte sich die Postverwaltung
von Neu-Seeland an die übrigen Verwaltungen des Welt
postvereins mit dem Vorschläge, zur Eeier des Beginns des neuen
Jahrhunderts für den Verkehr mit Neu-Seeland das Penny-
Porto einzuführen und, sofern das nicht angängig wäre, wenigstens
die aus Neu-Seeland eintreffenden und bloss mit einem Penny
statt mit 2 V 2 Pence frankierten Briefe ohne Nachtaxe (Straf
porto) zuzulassen. 3 ) Aber bis auf England und die englischen
Kolonien lehnten fast alle fremden Postverwaltungen diese An
regungen rund ab. Die Schweiz liess zeitweilig wenigstens die
neuseeländischen Penny-Briefe ohne Nachtaxe einlaufen; Mexico
dagegen hat sich anscheinend dauernd damit einverstanden
erklärt (vergl. S. 282).
Die Ältesten der Kaufmannschaft von Berlin baten
den Staatssekretär des deutschen Reichspostamts Anfang Juni
1905 in einer Eingabe, auf dem nächsten Weltpostkongress (1906)
für eine Ermässigung des Weltportos etwa bis 'auf die
inländischen Sätze einzutreten und diese vorzubereiten, da
neben aber mit den Nachbarländern (Holland, Belgien, der
Schweiz, Italien) wegen gleicher Übereinkommen zu verhandeln. 4 )
3 ) Vgl. „Deutsche Verkehrs-Ztg." 1901, S. 378, und „Archiv für Post
und Telegraphie“ 1902, S. 137.
Die „Union postale“ (1901, S. 62) heht hierzu aus dem neusee
ländischen Postverwaltungshericht für das Betriehsjahr 1899/1900
(v. 1. April laufend), das finanziell sehr günstig mit 98 000 £ Überschuss
(etwa 20 % der Einnahmen) abgeschlossen hatte, folgendes hervor:
„Dieser erfreulichen Gestaltung des Postbudgets mag der wichtige
Beschluss entsprungen sein, mit dem 1. Januar_1901 das Penny-Porto
für den Verkehr der Kolonie mit allen Ländern der Erde einzu
führen. Neu-Seeland soll mit dieser Eeform des „Universal penny
postage“ am Beginn des neuen Jahrhunderts, von der man sich in den
Kreisen der Bevölkerung eine tiefgehende Befriedigung verspricht, an die
Spitze der Kulturvölker des Erdballs treten.
Im Hinblick auf die ungeheure Zunahme des Brief verkehrs, welche die
bisherige Herabsetzung des Portos in Neu-Seeland (nämlich von 2 auf 1 Penny,
kurz vorher) im Gefolge gehabt hat, erwartet die Postverwaltung von der Ein
führung des Welt-Penny-Portos nach Verlauf weniger Jahre eine solche Steigerung
des Brief Verkehrs, dass der unvermeidliche Einnahmeausfall zum grössten Teile,
wenn nicht ganz, seine Ausgleichung finden werde.“
4 ) „Berliner Jahrbuch für Handel und Industrie“ (Bericht der
Ältesten der Kaufmannschaft von Berlin), Jahrgang 1905, I, S. 503 f.