Full text: Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

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Vom Gelsenkirchener Revier werden uns ebenfalls 
Lohnkürzungen gemeldet. Der Lohnrückgang fei in der Haupt 
sache darauf zurückzuführen, weil das „Lohnmachen", das ist das 
oben geschilderte „Lohnzuschreiben", ausblieb. 
Von Zeche C o n s o l i d a t i o n II/VII wird auch über Kür 
zung des Gedinges um 6 bis 15 Pf. pro Wagen berichtet. Auf 
R h e i n e l b e und A I m a ist die Nachtschicht um 20 Minuten 
verlängert, ohne höheren Lohn zu zahlen. 
Vom Revier Hattingen werden uns von Zeche 
Friedlicher Nachbar auch Lohnreduzierungen für Monat 
August gemeldet. So hatte eine Kanieradschaft im Flöz Sonnen 
schein, Sohle Osten, durch die Gedingekürzung pro Schicht 
<2 Pfennig weniger verdient. Sie bekam im August noch 6,20 
Mark. Im selben Flöz, Ort 4, Westen, wurden nur 6,82 Mark 
verdient und trotzdem pro Wagen noch 10 Pfennig gekürzt. 
Jugendliche werden jetzt nicht weniger als 34 in dieser 
Grube beschäftigt für 1,50 Mark pro Schicht. 
Sänitlichen Tagesarbeitern, ausgenommen die Handwerker, 
wurde die Schicht von 8 bezw. 9 auf 12 Stunden verlängert 
ohne einen Pfennig Lohnzulage. Als sie sich beschwerten, 
wurden sie von den Beamten noch damit verhöhnt, indem ihnen 
gesagt wurde, den Kameraden im Felde ginge es noch schlimmer, 
die hätten Tag und Nacht keine Ruhe. Diese Tagesarbeiter sind 
aber meist Invaliden. 
Die Jugendlichen über Tage müssen entgegen den Schutz- 
vorschriften ebenfalls 12 Stunden arbeiten. Nur einmal wäh 
rend der Seilfahrt können sie Essenspause machen. Von den 
Beamten wird den Kindern aufgetragen, wenn der Bergrevier 
beamte käme und sie fragte, ob sic die vorgeschriebenen Pausen 
hätten, sollen sie Ja sagen. Die Jugendlichen über Tage ver 
dienen 1,20 bis 1,50 Mk. in 12 Stunden. Die über Tage Be 
schäftigten sind fast alles Kinder unter 16 Jahren und Invaliden. 
Gefordert wird jetzt U/2 Schicht. Dann werden auch oft bis 
zwei Ueberstunden angeordnet. 
Auch auf den Zechen Dahlhauser Tiefbau und 
Carl Friedrich ist die Schicht für Tagesarbeiter auch von 
8 auf 12 Stunden verlängert worden ohne höhere Entschädigung. 
Das bedeutet eine ganz bedeutende Lohnkürzung. AIs sich In 
validen auf Dahlhauser Tiefbau beim Betriebsführer darüber 
beschwerten, bekamen sie zur Antwort: „Mehr Lohn gibt es nicht, 
wer das nicht tun will, kann zu Hause bleiben, wir können 
Leute genug kriegen." So behandelt nran also ausgediente alte 
Leute und Invaliden zur Zeit des Krieges!
	        
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