Full text: Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

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Die Vertreter der vier Bergarbeiterorganisationen hatten 
am 7. d. Mts. eine Besprechung im Handelsministerium. Sie 
brachten dort auch Beschwerden über Mißhandlung von Arbeitern 
und Kriegsgefangenen aus verschiedenen Gruben vor. Se. Ex 
zellenz, Herr Handelsminister vr. Sydow, wies darauf hin, daß 
wir diese Beschwerden dem Königlichen Oberbergamt einreichen 
sollten, um die Richtigkeit der Angaben zu prüfen. 
Gegen prügelnde Beamte soll vom Oberbergamt vorge 
gangen werden, selbst die Entziehung der Qualifikation als Be 
amte und damit den Verlust ihres Beamtenpostens hätten solche 
zu gewärtigen. 
Wir erlauben uns nun, die uns zugegangenen Beschwerden 
dem König!. Oberbergamt zu übermitteln: 
1. Am Freitag, den 26. November 1915 weigerten sich auf 
Zeche Neumühl Kriegsgefangene, in die Grube einzufahren, da 
sie keine Bergarbeiter seien. Diese Leute sind nun nach Angabe 
unseres Gewährsmannes mißhandelt und mit Gewalt auf den 
Förderkorb gebracht, also zur Anfahrt gezwungen worden. 
Unser Gewährsmann teilt uns mit, daß sich beim Schlagen 
besonders der Obernachtwächter Angenendt und der Fahrsteiger 
Uhlental hervorgetan haben. An der Mißhandlung haben sich 
ferner noch Fahrsteiger Achtner, Drogemann, Heidtkamp und der 
Betriebsführer Klembeck beteiligt. 
Herr Inspektor Faust habe die Schuldigen schon vernommen, 
da auf Zeche Neumühl große Aufregung über das Vorgehen ge 
genüber den Kriegsgefangenen herrscht. 
2. Unterm 30. November sandte unser Bezirksleiter Krähn 
eine Beschwerde an den Königlichen Bergrevierbeamten des Berg 
amts Recklinghausen (West): Danach wurden auf der Zeche Graf 
Bismarck, Schacht 3/6, in Buer-Erle aus Russisch--Polen einge 
führte Arbeiter schlecht behandelt. 
Im Revier 3 hat der Reviersteiger in Gemeinschaft mit 
Schießmeistern den Arbeiter Corba so mißhandelt, daß er einige 
Schichten feiern mußte. 
Der Arbeiter Franz Ruck wurde von Steiger Momberger 
mit dem Meterstock auf den Kopf geschlagen, so daß heute noch 
die Narben der Wunden, welche die Mißhandlung verursachte, 
zu sehen sind. 
Der Zeuge Wilhelm Scheller gibt an, daß Steiger Mom 
berger sich ausdrückte, die polnischen Arbeiter seien wie Ge 
fangene zu behandeln, sie müßten Schläge haben, daß sie die 
Wand hinaufgingen. 
Durch ein weiteres Schreiben vom 8. Dezember 1916 wurde 
dem Bergrevieramt Essen-West mitgeteilt, daß der russische Ar 
beiter Robert Miller, wohnhaft in Erle, Breitestraße 20, weil 
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