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er sich über zu Unrecht gemachte Abzüge beschwerte, zu Boden
geworfen und getreten wurde.
3. An den König!. Bergrevierbeamten des Bergreviers
Essen II sandte unser Bezirksleiter Krähn unterm 12. Dezember
eine Beschwerdeschrift. Laut dieser schlug der Fahrhauer Müller
auf Zeche Welheim am 10. November 1916 den 39jährigen pol
nischen Arbeiter Hittingcr öfters ins Gesicht, da sich im Brems
berg Wagen losgehakt hatten.
Am 16. November wurde ein etwa fünfzehnjähriger Ab
nehmer am Bismarckstabel von dem Fahrsteiger Thomas so ins
Gesicht geschlagen, daß eine Backe anschwoll und der jugendliche
Arbeiter Ohrensausen und Schwindelanfälle bekam. Zeuge ist
der Arbeiter Oskar Rauh, noch auf Zeche Welheim beschäftigt.
4. Am 30, November wurde im Grubenbetriebe der Zeche
Matthias Stinnes 3'4 der Russisch-Pole Johann Gorkowski von
dem Fahrsteiger Mahl wiederholt geschlagen, da er aus dessen
Kaffeeflasche getrunken hatte.
6. Daß nicht nur polnische Arbeiter und Kriegsgefangene
unter schlechter Behandlung zu leiden haben, sondern auch ein
heimische Arbeiter davon betroffen werden, zeigt folgender Fall:
Am 16. Dezember 1915 kam der Wetterkontrolleur Hermann
Hllgen, der schon 66 Jahre zählt, abends 9 Uhr auf die Zeche
Zweckel, um zu melden, daß er nicht anfahren könne.
Er geriet dabei mit dem Fahrhauer Bernhard in Wort
wechsel. Als dann Hügen nach Schacht II zur Waschkaue gehen
wollte, wurde er von Bernhard überfallen und ins Gesicht ge
schlagen, daß er zu Boden fiel. Nun hieb Bernhard weiter auf
ihli ein, so daß er einige Wunden im Gesicht erhielt, und krank
feiern mußte.
Dem Wunsche Sr. Exzellenz, des Herrn Handelsministers,
Beschwerden über Mißhandlungen an das Oberbergamt zur
Untersuchung weiter zu geben, sind wir hiermit nachgekommen
und ersuchen, uns von dem Ergebnis der Untersuchung gefälligst
Mitteilung machen zu wollen. Hochachtungsvoll usw.
Dortmund, den 24. Dezember 1915.
An den Vorstand des Verbandes der Bergarbeiter Deutschlands.
Wir bestätigen den Eingang des Schreibens vom 14. d. Mts. be
treffend Beschwerden über Mißhandlung von Arbeitern und Kriegs
gefangenen auf verschiedenen Gruben unseres Bezirks. Die einzelnen
Beschwerdepunkte werden einer eingehenden Prüfung unterzogen
werden. Sofern die Untersuchung Verfehlungen nachweisen sollte, wird
diesseits gegen die Schuldigen mit Nachdruck eingeschritten werden.
(Unterschrift.)