Full text: Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

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Bochum, den 10. Januar 1916. 
An Las Königliche Oberbergamt zu Dortmund. 
Bezugnehmend auf unser Schreiben vom 14. Dezember 1916 
und die gefl. Antwort des Oberbergamts vom 24. desselben 
Monats (I 4136) gestatten wir uns, dem König!. Oberbergamt 
noch folgendes zu unterbreiten: 
Unser Gewährsmann teilt uns mit: „In der letzten Woche 
des Jahres 1916 wurden zwei Kriegsgefangene Russen auf der 
Zeche Rhein l/II unter Tage verschüttet und kamen zu Tode. 
Die Kriegsgefangenen weigerten sich darauf, anzufahren. Sie 
wurden nun auf dem Zechenplatz aufgestellt und gefragt, ob sie 
wieder anfahren wollten. Auf ihre Weigerung ließ man sie mit 
hocherhobenen Händen drei Stunden lang auf dem Flecke stehen. 
Die Gefangenen, welche Nachtschicht hatten, mußten sich acht 
Stunden barfuß und mit bloßer Brust auf dem Zechenplatz aus 
halten. Dabei wurden sie mit Gewehrkolben und Seitengewehr 
gestoßen und geschlagen. Auch der Betriebsführer Wurm und 
Betriebsführer Dörtelmann beteiligten sich an der Mißhandlung 
der Gefangenen. Frauen und Kinder beobachteten diesen Vor 
gang von der Straße aus und gaben ihrer Empörung dadurch 
Ausdruck, daß sie mit Ziegelsteinen nach den Beamten warfen." 
Eine Abschrift dieser Beschwerde haben wir an das General 
kommando des 7. Armeekorps abgesandt, da Fälle von Mißhand 
lungen, welche von Militärpersonen verübt wurden, vom Gene 
ralkommando untersucht werden. 
Weiter sandte uns unser Bezirksleiter Krähn von Gladbeck 
ein Schreiben folgenden Inhalts: 
„Ende November (das Datum wußte man mir nicht gleich 
anzugeben) hatten die Russen und Belgier an einem Samstage 
auf Zeche Jakobi die Ueberschicht verweigert, weil sie schon die 
Woche sieben Schichten gemacht hatten. Sie wurden zur Anfahrt 
gezwungen. AIs sie angefahren waren, wollten sie wieder her 
aus. Der Steiger holte hierauf die Wachtposten von oben und 
diese luden auf Befehl eines Feldwebels die Gewehre und legten 
auf die zum Schacht drängenden Leute an. Die ganze Mittag 
schicht war Zeuge des Vorfalls. 
Auf Arenberg-Fortsetzung werden die Gefangenen und aus 
ländischen Arbeiter zu Ueberschichten gezwungen. So wurden 
Leute, welche am 23. Dezember nicht doppelt machen wollten 
und zur Ausfahrt am Schachte erschienen, wieder zurückgejagt. 
Nur die einheimischen Arbeiter kamen heraus. 
Auf der Zeche Prosper II müssen sich Gefangene, welche 
nicht anderthalb Schichten machen wollten, im Pferdestall unten 
in der Grube aufhalten, bis zum Ende der Anderthalb-Schicht. 
Der Stall wird vorher unter Wasser gesetzt, damit sich niemand 
io»
	        
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