Full text: Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

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Bochum, den 24. Mai 1916. 
Im Auftrage der in unsereni Verbände organisierten und 
auf der Grube Ouäck und Florentine beschäftigten Bergarbeiter 
erlauben ictr uns, der Deutsch-Luxemburgischen Bergwerks- und 
Hütten-Aktiengesellschaft folgende Eingabe zu unterbreiten: 
Wir ersuchen, den auf Grube Quäck und Florentine unter 
und über Tage beschäftigten Arbeitern eine Teuerungszulage 
zu gewähren. AIs Höhe derselben würden wir vorschlagen: Für 
verheiratete Arbeiter 60 Pf., für unverheiratete Arbeiter 60 Pf. 
pro Schicht. 
Zur Begründung genügt wohl der Hinweis auf die seit 
Kriegsausbruch bestehende und noch fortwährende Verteuerung 
sämtlicher Lebensmittelbedürfnisse. Seit Ausbruch des Krieges 
sind die Lebensbedürfnisse um weit mehr als 100 Prozent teurer 
geworden. Besonders gilt das für diejenigen Nahrungsmittel, 
auf welche der Bergmann in erster Linie angewiesen ist, wie 
Brot, Kartoffeln, Fett, Fleisch, Hülsenfrüchte usw. Diese Tat 
sache ist allgemein bekannt und dürfte es sich erübrigen, an dieser 
Stelle nähere Zahlen über Preissteigerungen, deren Ende noch 
nicht abzusehen ist, anzuführen. Außerdem haben die Arbeiter 
durch erhöhte Steuern, Unterstützung von Angehörigen, die sich 
in der Front befinden, noch weitere erhöhte Lasten zu tragen. 
Die Arbeiterschaft läßt sich bei der Eingabe betreffs Gewäh 
rung einer Teuerungszulage von der Tatsache leiten, daß die 
Erzgruben während des Krieges sehr gute Geschäfte machen. 
Die Erzpreise wurden wiederholt erhöht. Am 30. April 1914 
schrieb in der „Kölnischen Volkszeitung" ein fachmännischer Mit 
arbeiter u. a.: „Die Notlage früherer Zeit ist für die Nassauer 
wertvollen Erze bei der heutigen Entwickelung des Eisen-Groß 
gewerbes wohl für immer vorbei. Unterm 29. Februar 1916 
teilte die „Kölnische Zeitung" mit, daß die Preise für das 2. 
Quartal 1916 für Rohspat und Brauneisenstein um 7 Mark und 
für Rostspat um 10 Mark auf die Tonne ab Grube erhöht worden 
sind. Die Grundpreise für Rohspat stellen sich nach der „Köln. 
Zeitung" auf 163, für Brauneisenstein auf 172 und für Rostspat 
auf 255 Mark für je 10 Tonnen, und zu diesen Preisen würden 
die verfügbaren Mengen glatt abgesetzt. Daß die Arbeiterschaft 
nun auch ihren Anteil an dieser guten Konjunktur haben möchte, 
ist erklärlich. In der Braunkohlen- und Kaliindustrie sind den 
Arbeitern wiederholt Teuerungszulagen und Kinderzulagen ge 
währt worden, obwohl diese Arbeiter an sich schon einen höheren 
Lohn haben, wie die Erzbergarbciter. Die Kaliindustrie ist dazu 
durch gesetzliche Preisfestlegung gehindert, die Preise zu erhöhen, 
wie die Erzindustrie dieses wiederholt in letzter Zeit getan hat. 
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