Full text: Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

209 
>4 
Berlin, den 23. August 1916. 
An den Verband der Bergarbeiter Deutschlands, 
z. H. des Herrn Sachse in Bochum. 
Im rheinisch-westfälischen Kohlenrevier ist eine Beunruhigung 
unter den Bergarbeitern entstanden, die unter anderem damit erklärt 
wird, daß ihnen nicht diejenige Menge an Speck geliefert worden sei, 
über welche ich mit Vertretern der Arbeiterschaft am 20. JuNi 1616 
in Düsseldorf gesprochen habe. Meine Erwartung, daß überall etwa 
Zwei Pfund würden verteilt werden können, läßt sich in der Tat nicht 
verwirklichen. Die Zechen haben aus der von mir Ende Juni zur Ver 
fügung gestellten Menge nur etwa ein Pfund auf den Kopf verteilen 
körmen. Wenn daneben von den Gemeinden Speck verteilt worden ist, 
so kommt er aus einer früheren Ueberweisung, die noch nicht so ge 
regelt war, daß überall gleichmäßige Kopfmengen verteilt werden 
konnten. 
Da aber jetzt weitere Vorräte nicht verfügbar sind, ist es leider 
nicht möglich, die entstandenen Ungleichheiten nachträglich auszu 
gleichen. v. Ba t o c ki. 
* * * 
Berlin, den 13. Oktober 1916. 
An den Verband der Bergarbeiter Deutschlands, 
z. H. des Vorsitzenden Herrn Sachs e in Bochum. 
In Verfolg meines Bescheides vom 21. August 1916 beehre ich 
mich, ergebenst mitzuteilen, daß nach dem Ergebnis der inzwischen an 
gestellten Ermittelungen die Werkvereine im allgemeinen an ihre 
Mitglieder Waren verkauft haben, die im freien Handel zu haben 
waren. Es sind aber auch einzelne Fälle vorgekommen, in denen 
. Werkvereine die örtlich bestehenden Vorschriften, nach denen bestimmte ' 
Waren nur gegen Lebensmittelmarken abgesetzt werden dürfen, nicht 
beachtet haben. Es ist Vorsorge getroffen worden, daß in Zukunft 
solche Verstöße sich nicht wiederholen. I. V.: v. Oppen. 
Es ist mithin amtlich festgestellt, daß die Wirtschaftsfried 
lichen zur Zeit der schwersten Not,-die unser Volk bisher durch 
gemacht hat, auf Kosten der Gesamtheit zuerst an sich dachten. 
Der wirtschaftsfriedliche „Werkverein", Nr. 36 vom 2. Septbr. 
1916, konnte eh da noch über sich gewinnen, zu schreiben: 
„Wir sehen der amtlichen Ermittelung mit Freude und Genug 
tuung entgegen, da die Haltlosigkeit und Leichtfertigkeit der streik- 
gewerkschaftlichen Behauptungen so am besten nachgewiesen wird." 
Die Antwort des Kriegsernährungsamtes zeigt, wie man 
die Wirtschaftsfriedlichen und ihr Organ, den „Werkverein", 
einzuschätzen hat.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.