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ständnis dafür wächst, daß der Sparzwang nicht etwa wie eine Strafe
für unnütze Verwendung eingeführt werden soll, sondern als ein
Sr ch e r u n g s in i t t e l für die Jugendlichen selbst in be
sonders für die kommende Zeit der Ueberleitung in friedliche Verhält
nisse oder auch beim Abflauen der jetzigen Berdienstüerhältnisse. Dies
erzieherische Moment muß im Vordergrund bleiben.
Ich bemerke noch, daß die Ansammlung der reinen Spargelder
(also nach Abzug der freigegebenen Summen) in den Marken seit Ein
führung der Verordnung dort rund 1110000 Mark ergeben hat.
Im Aufträge des Herrn stellvertretenden kommandierenden Ge
nerals des 7. Armeekorps ersuche ich ergebenst um baldgefällige Aeuße
rung über die dortige Beurteilung der Frage und über die Einführung
des Sparzwanges für die Jugendlichen nach dem bezeichneten Muster,
das ich als bekannt voraussetzen kann.
In Vertretung. (Unterschrift.)
* * *
Unterm 18. Oktober 1916 teilten wir unseren Standpunkt
im nachstehenden Schreiben mit:
An den Herrn Regierungspräsidenten zu Arnsberg.
Ew. Hochwohlgeboren!
Bezugnehmend aus Ihr wertes Schreiben vom 12. d. M., Akten-
Rr. I 11 Nr. 8623, erlauben wir uns, den Standpunkt unserer Or
ganisation zum Sparzwang für jugendliche Arbeiter klarzulegen:
Wir halten den Sparzwang für jugendliche Bergarbeiter für
überflüssig. Wenn diese Jugendlichen sich bei ihren Eltern befinden
und sich weigern würden, ihren Lohn abzugeben, sondern ihn zu un
geeigneten Zwecken verwenden, so können die Eltern heute schon den
Lohn selbst auf der Arbeitsstätte erheben und so jeder ungeeigneten
Verwendung vorbeugen. Sind Jugendliche aber gezwungen, in Kost
und Logis zu gehen, so steht der Lohn der jugendlichen Arbeiter, die
Grubenarbeit verrichten, so, daß ihr Verdienst durch Zahlung von
Kostgeld und Anschaffung von Kleidern ziemlich draufgeht, manchmal
bei den heutigen teueren Verhältnissen kaum hinreicht. Die Berg
arbeit ist auch eine derart schwere, daß die jugendlichen Bergarbeiter
froh sind, wenn sie nach Beendigung der Schicht der Ruhe Pflegen
können, besonders, da auch sie noch zu Ueberschichten herangezogen
werden.
Die jugendlichen Arbeiter, welche die harte Schule des Lebens schon
so früh durchmachen müssen, haben auch genügend Urteilsfähigkeit, und
Verständnis, wenn ihnen von ihren Eltern einige Mark Taschengeld
überlassen werden, oder ihnen nach Zahlung des Kostgeldes und der
Kleidung noch etwas übrig bleibt, geeigneten Gebrauch davon zu machen.