Full text : Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

schlüge  entgegenzunehmen.  Wir  stellen  ergebenst  anheim,
auch  Ihrerseits  in  dieser  Frage  vorstellig  zu  werden.  Von  einer  der
angefragten  Korporationen  erhielten  wir  die  Mitteilung,  daß  die  Angelegenheit ­
  im  Einvernehmen  mit  den  bei  den  einzelnen  Werken  vorhandenen ­
  Arbciterausschüssen  erwogen  werden  soll,  welche  Regelung
wohl  Ihrem  Wunsch  entsprechen  dürfte."

Eingaben  der  vier  Bergarbeiterverbände  betreffs  Aufbesserung
der  Gcdingesätze  und  Schichtlöhne  der  Bergarbeiter
wurden  an  die  Bergwerksbesitzer  in  sämtlichen  deutschen  Kohlenrevieren ­
  abgesandt.  Die  Eingabe,  die  an  die  Unternehmervereine ­
  und  die  fiskalischen  Bergwerksleitungen  abging,  hatte  folgenden ­
  Wortlaut:
Bochum,  Essen,  Oberhausen,  den  30-  Dezember  1916.
Die  uns  aus  den  Kreisen  unserer  Mitglieder  fortgesetzt  zugehenden ­
  zahlreichen  Klagen  über  schlechte,  d.  h.  unzureichende ­
  Entlohnung  veranlassen  die  Unterzeichneten  abermals,
an  die  Herren  Vertreter  der  bergbaulichen  Werksverwaltungen
die  ebenso  höfliche  als  dringende  Bitte  zu  richten,  vom  Beginn
des  neuen  Jahres  an  eine  allgemeine  Lohnaufbesser
  u  n  g  eintreten  zu  lassen.  Wir  wiederholen  das  Ersuchen,  bei
der  Lohnaufbesserung  die  in  dem  letzten  Vierteljahr  mit  weniger
als  dem  Durchschnittslohn  ihrer  Klasse  bezahlten  Gedingearbeiter ­
  besonders  zu  bedenken,  namentlich  aber  den
S  ch  i  ch  t  l  ö  h  n  e  r  n,  deren  Tagesverdienst  sich  seit  Kriegsbeginn ­
  verhältnismäßig  recht  wenig  nach  oben  hin  bewegte,
eine  den  gegenwärtigen  ungeheuerlichen  Teuerungsverhältnissen
wirklich  angepaßte  Erhöhung  ihres  Einkommens  zukommen
zu  lassen.
Wir  erkennen  ja  an,  daß  die  Durchschnittslöhne  der  Bergarbeiter ­
  während  des  Krieges  bereits  eine  Erhöhung  erfahren
haben.  Die  Erhöhung  entspricht  aber  bei  keiner  Arbeiterklasse
auch  nur  annähernd  der  Verteuerung  der  Lebenshaltung.  Selbst
die  Angehörigen  der  Lohnklasse  I  erzielten  im  3.  Vierteljahr  1916
nur  in  zwei  Steinkohlenbezirken  (Ruhrgebiet  und  linker  Niederrhein) ­
  einen  Durchschnittsschichtverdienst  von  über  8  Mark.  In
den  Bezirken•  Oberschlesien,  Saarbrücken  und  im  Wurmgebiet
betrug  der  Lohn  noch  nicht  7  Mark,  in  Niederschlesien  blieb  er
sogar  unter  6  Mark.  Mit  solchen  Löhnen  kann  ein  Arbeiter
bei  den  heutigen  Teuerungsverhältnissen  nicht  auskommen.
Und  doch  betreffen  die  vorgenannten  Löhne  nur  die  absolut
und  verhältnismäßig  am  besten  bezahlte  Arbeitergruppe!  Ihr
gehört  aber  nur  der  kleinere  Teil  der  Belegschaften  an.  Die
weitaus  größere  Zahl  der  erwachsenen  männlichen  Bergwerksarbeiter ­
  gehört  zu  den  Lohnklassen  II  und  III.  Aus  der  neuesten
amtlichen  Lohnstatistik  für  den  preußischen  Gesamtbergbau  geht
            
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