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Amtsbezirks Halle zahlte 1913 einen Durchschnittslohn von
3,77 Mk., im ersten Vierteljahr 1914 nur 3,72 Mk. Für Neben
arbeiten für Nichtbergleute werden oft nur 26 bis 32 Pfennig
Stundenlohn gezahlt, selten mehr. Und das ist nach den eigenen
Angaben des petitionierenden Braunkohlen-Jndustrie-Vereins
meist „eine schwere Handarbeit, die bei jeder
Witterung und bei großem Schmutz ausgeübt
werden muß." Wer weiß, was bei solcher Arbeit an Klei
dung und namentlich an Schuhwerk kaput geht, der wird die
Löhne mit uns als viel zu gering bezeichnen, für die ein Kultur
mensch nicht arbeiten und eine Familie unmöglich ernähren
kann. Wenn diese Arbeiten selbst die Ziegeleiarbeiter der Oder
niederung und die an Wind, Wetter und Schmutz gewöhnten
Bauhilfsarbeiter für den Lohn nicht leisten mögen, so sagt das
gerade genug. Mit diesen ihren eigenen Angaben schlagen sich
die Werksbesitzer wirklich selbst ins Gesicht. Noch mehr aber
damit, daß sie selbst angeben, „nur kräftige Leute, die an
die Arbeit im Freien gewöhnt sind", eigneten sich zu dieser
Arbeit. Ist denn das ein Lohn für „kräftige Leute" für „schwere
schmutzige Handarbeit"? So weit ist es also mit der deutschen
Braunkohlenindustrie schon gekommen, daß sie bei solch schwerer
Arbeit so erbärmliche Löhne zahlt, daß nur die rückständigsten
Arbeiter Europas aushalten? Und da soll das Hohe Ministerium
Hilfe leisten, ja es sollen jetzt Gefangene schaffen helfen, damit
die Herren nicht „untergehen" mit ihrer blühenden Industrie!
Und das verlangen diese Herren zu einer Zeit, wo Millionen
unserer Brüder im Felde sich opfern, wo Hunderttausende
deutscher Arbeiter noch brotlos sind und dem Winter, namentlich
bei der jetzigen Teuerung, mit banger Sorge entgegensehen!
Man sollte das wirklich nicht für möglich halten!
Aber noch eins darf nicht unerwähnt bleiben. Der Braun-
kohIen-Jndustrie-Verein klagt in seiner Eingabe über großen
Arbeitermangel. In den Braunkohlenrevieren gibt es aber
heute noch eine Anzahl gut geschulter, wirklicher Bergarbeiter,
welche trotzdem keine Arbeit erhalten, von den Werksverwal
tungen schnöde abgewiesen werden. Diese haben nämlich ein
„großes Verbrechen" begangen. Sie haben sich, wie ja auch
die Herren Werksbesitzer und Beamten, organisiert und haben in
der Gewerkschaftsorganisation Vertrauensämter bekleidet. Dieses
„Verbrechen" tvird diesen armen Arbeitern auch jetzt während
der schrecklichen Kriegszeit nicht verziehen. Sie sind zurück
gewiesen worden, sie bleiben auch jetzt ausgesperrt. Das ist der
„Burgfrieden" solcher Herren!
Unser Bezirksleiter Josef Briewig in Thamm bei Senften-
bcrg bäte am 22. Oktober d. I. eine Eingabe an den komman-