Full text : Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

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Bessere  Versorgung  mit  Lebensmitteln  und  Entschädigung  der
Arbeiterausschüsse  für  entgangenen  Arbeitsverdienst
forderten  folgende  Eingaben  der  vier  gewerkschaftlichen  Bergarbeiterverbände: ­

Bochum,  Essen,  Wanne,  den  29-  Juni  1917.
An  den  Herrn  Präsidenten  des  Kriegsernährungsamtes,
Exzellenz  vonBatoc  k  i,  Berlin.
Die  Frage,  wie  die  Kohlenförderung  zu  erhöhen  sei,  war  die
Ursache  eingehender  Besprechungen,  die  am  6.  Juni  d.  I.  sowohl
mit  Sr,  Exzellenz  dem  Herrn  Handelsminister  Dr.  Sydow  in
Dortmund,  ioie  auch  einigeTage  darauf  imKriegsamt  stattfanden.
Das  Wohl  unseres  Vaterlandes  hängt  vor  allem  mit  davon  ab'
daß  die  Kohlenförderung  eine  stabile  bleibt  und  keinerlei  Störungen ­
  eintreten,  die  eine  Einschränkung  der  Kohlenförderung
heraufbeschwören.  Ja,  es  ist  sogar  wünschenswert  und  notwendig,
daß  die  Kohlenförderung  eine  weitere  Steigerung  erfährt,  da
sonst  den  Anforderungen  der  Kriegswirtschaft  nicht  entsprochen
werden  kann.  Die  organisierten  Bergarbeiter  wissen  das  sehr  gut
und  haben  im  Verlauf  dieses  Krieges  gezeigt,  daß  sie  voll  und
ganz  ihre  Schuldigkeit  tun.  Wo  einmal  auf  ernzelnen  Zechen
kurze  Unterbrechungen  in  der  Kohlenförderung  eintraten,  geschah
das  nicht  mit  der  Absicht  oder  dem  Willen  der  organisierten  Belegschaftsmitglieder, ­
  dadurch  unsere  beste  Hilfsquelle  im  Kriege,
die  Kohlenförderung,  langsamer  fließen  zu  lassen,  sondern  andere
Umstände,  die  in  Denkschriften  von  uns  klargelegt  wurden  und
deshalb  hier  nicht  mehr  wiederholt  zu  werden  brauchen,  waren
die  Ursachen.
Doch  auf  eine  der  Ursachen  müssen  wir  hier  nochmals  eingehen; ­
  wir  sehen  uns  dazu  gezwungen,  da  in  jüngster  Zeit  wieder
auf  drei  Zechen,  so  auf  W  e  st  h  a  u  s  e  n,  R  h  e  i  n  p  r  e  u  ß  e  n  und
D  i  e  r  g  a  r  d  t,  Arbeitsniederlegungen  stattfanden.  Diese  Störungen ­
  der  Förderungen  sind  deshalb  eingetreten,  weil  die  Zufuhr
von  Nahrungsmitteln  alles  zu.  wünschen  übrig  läßt  und  die  Versprechungen ­
  des  Kriegsernährungsamtes  nicht  mehr  gehalten
werden.  So  kommt  es,  daß  man  in  den  Belegschaftsversammlungen ­
  bei  den  Ausführungen  über  das  was  über  Lebensmittel-Verteilung
  und  -Zufuhr  von  leitenden  Stellen  bekannt  gegeben
wurde,  auf  Mißtrauen  und  Unglauben  stößt.  Es  ist  dieses  nicht
verwunderlich,  konnte  doch  das  ganz  bestimmt  gegebene  Versprechen, ­
  daß  den  Schwerarbeitern  bis  zur  neuen  Ernte  pro  Kopf
und  Woche  5  Pfund  Kartoffeln  geliefert  würden,  nicht  gehalten
werden.  Die  anstatt  der  fehlenden  Kartoffeln  gelieferten  Ersatznahrungsmittel
  waren  schon  sehr  gering  bemessen.  Jetzt  ist  auch
noch,  entgegen  den  gegebenen  Versprechungen,  eine  weitere  Kürzung ­
  derselben  eingetreten,  so  daß  sie  keineswegs  ausreichen,
            
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