253
Bessere Versorgung mit Lebensmitteln und Entschädigung der
Arbeiterausschüsse für entgangenen Arbeitsverdienst
forderten folgende Eingaben der vier gewerkschaftlichen Bergarbeiterverbände:
Bochum, Essen, Wanne, den 29- Juni 1917.
An den Herrn Präsidenten des Kriegsernährungsamtes,
Exzellenz vonBatoc k i, Berlin.
Die Frage, wie die Kohlenförderung zu erhöhen sei, war die
Ursache eingehender Besprechungen, die am 6. Juni d. I. sowohl
mit Sr, Exzellenz dem Herrn Handelsminister Dr. Sydow in
Dortmund, ioie auch einigeTage darauf imKriegsamt stattfanden.
Das Wohl unseres Vaterlandes hängt vor allem mit davon ab'
daß die Kohlenförderung eine stabile bleibt und keinerlei Störungen
eintreten, die eine Einschränkung der Kohlenförderung
heraufbeschwören. Ja, es ist sogar wünschenswert und notwendig,
daß die Kohlenförderung eine weitere Steigerung erfährt, da
sonst den Anforderungen der Kriegswirtschaft nicht entsprochen
werden kann. Die organisierten Bergarbeiter wissen das sehr gut
und haben im Verlauf dieses Krieges gezeigt, daß sie voll und
ganz ihre Schuldigkeit tun. Wo einmal auf ernzelnen Zechen
kurze Unterbrechungen in der Kohlenförderung eintraten, geschah
das nicht mit der Absicht oder dem Willen der organisierten Belegschaftsmitglieder,
dadurch unsere beste Hilfsquelle im Kriege,
die Kohlenförderung, langsamer fließen zu lassen, sondern andere
Umstände, die in Denkschriften von uns klargelegt wurden und
deshalb hier nicht mehr wiederholt zu werden brauchen, waren
die Ursachen.
Doch auf eine der Ursachen müssen wir hier nochmals eingehen;
wir sehen uns dazu gezwungen, da in jüngster Zeit wieder
auf drei Zechen, so auf W e st h a u s e n, R h e i n p r e u ß e n und
D i e r g a r d t, Arbeitsniederlegungen stattfanden. Diese Störungen
der Förderungen sind deshalb eingetreten, weil die Zufuhr
von Nahrungsmitteln alles zu. wünschen übrig läßt und die Versprechungen
des Kriegsernährungsamtes nicht mehr gehalten
werden. So kommt es, daß man in den Belegschaftsversammlungen
bei den Ausführungen über das was über Lebensmittel-Verteilung
und -Zufuhr von leitenden Stellen bekannt gegeben
wurde, auf Mißtrauen und Unglauben stößt. Es ist dieses nicht
verwunderlich, konnte doch das ganz bestimmt gegebene Versprechen,
daß den Schwerarbeitern bis zur neuen Ernte pro Kopf
und Woche 5 Pfund Kartoffeln geliefert würden, nicht gehalten
werden. Die anstatt der fehlenden Kartoffeln gelieferten Ersatznahrungsmittel
waren schon sehr gering bemessen. Jetzt ist auch
noch, entgegen den gegebenen Versprechungen, eine weitere Kürzung
derselben eingetreten, so daß sie keineswegs ausreichen,