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Eingabe zur Seifenvcrsorgung.
Bochum, Essen, Wanne, den 15. August 1917.
An Las Kriegsamt (Abteilung Versorgung für Schwerstarbeiter).
Im Aufträge der organisierten Bergarbeiterschaft tragen
die Unterzeichneten nochmals die Bitte vor, doch dafür Sorge tra->
gen zu wollen, daß die Bergarbeiter bei der Seifenverteilung
besser berücksichtigt werden und daß auch eine bessere Qualität
geliefert wird. Es ist für den Bergarbeiter unmöglich, mit dem
heutigen Quantum auszukommen, zumal ja die Seife noch von
schlechter Beschaffenheit ist. Die 50 Gramm Seife von der Ge
meinde, wozu ein Zusatz von 50 Gramm von der Zechenver
waltung kommt, reichen nicht im entferntesten aus, den mit
Schweiß und Kohlenstaub bedeckten Körper zu reinigen. Es ist
soweit gekommen, daß der Bergmann sich aus Mangel an Seife
nur den Kopf und die Hände richtig reinigen kann. Der Körper
wird nicht mehr so gereinigt, wie es nötig wäre, da Wasser
allein den festanhaftenden Schmutz nicht beseitigt, und wenn Seife
dazu genommen wird, die gelieferte Menge von 100 Gramm
nicht einmal eine Woche, viel weniger einen Monat ausreicht.
Tie Hautporen verstopfen sich bei der mangelhaften Reinigung
immer mehr, und Krankheiten sind dann die Folge, da die
Transpiration verhindert ist. Der am Körper haftende Schmutz
bringt auch Hautkrankheiten mit sich und die Krätze, sowie andere
schlimme ansteckende Krankheiten zwingen zu Krankfeierschichten,
wodurch wieder die Förderung ungünstig beeinflußt wird.
Dazu kommt dann noch, daß in einigen Bergbaubezirken des
Ruhrgebietes eine größere Anzahl von Ruhrerkrankungen zu ver
zeichnen sind. Um der Gefahr des Umsichgreifens dieser Krank
heit wirksam entgegenzutreten, ist die größte Sauberkeit in den
Häusern, sowie die Reinlichkeit der Kleidung und Wäsche unbe
dingt erforderlich. Hier fehlt es aber wiederum an dem nötigen
Quantum guter Seife.
Der Mangel an Seife bringt dann auch noch eine andere
große Gefahr mit sich- Zum Waschen der Grubenkleider ist heute
keine Seife vorhanden. Die Kleider werden nicht mehr mit nach
Hause genommen, sondern sie bleiben monatelang in den Wasch
kauen der Zechen hängen und werden mit Ungeziefer durchsetzt.
Gerade hiebüber erhalten wir in letzter Zeit eine Menge leb
hafter Beschwerden. Ein einheimischer Bergarbeiter der Zeche
Waltrop teilt uns mit, daß aus den dargelegten Gründen für die
Belegschaft der genannten Zeche sogar die Gefahr der Verlausung
bestehe. Der Genannte schreibt ferner, daß auf der Zeche Wal
trop wohl Seife vorhanden war, dieselbe aber bisher noch stets
15 bis 25 Mark pro Pfund gekostet habe. Einen solchen Preis
kann doch kein Bergmann bezahlen. Es müsse daher unbedingt
billigere und bessere Seife geliefert werden und auch ein größeres