Full text : Probleme der Wirtschaftsgeschichte

mit bes. Rücksicht auf die Stadtwirtschaft des deutschen Mittelalters. 185
schaftsformen übt. Wir werden hier gegenüber der Volkswirtschaft
 kaum beträchtliche Abweichungen testzustellen haben. Die
Wege, die die Waren auf ihrer Stufe nehmen, sind eben weit
genug schon, um namhafte Entfernungen von den mittelalterlichen
 Wirtschaftsformen herbeizusühren. Die Weltwirtschaft
kann dazu kaum etwas hinzufügen. Andererseits setzen sich
innerhalb dieser auch noch recht alte Übungen fort: wie die
Kundenproduktion noch mit dem weitesten Weltverkehr vereinbar
 ist, durch die modernsten Verkehrseinrichtungen sogar erleichtert
 wird, so sehen wir unsere Kaufleute, die gerade wiederum
durch die unvergleichlichen Verkehrseinrichtungen der neuesten
Zeit mit entlegenen Landschaften niedriger wirtschaftlicher
Kultur in Beziehungen kommen, dort den alten Warenaustausch
üben und andere alte Handelsformen anwenden. Die Hauptwirkung
 der durch die weltwirtschaftlichen Verbindungen herbeigeführten
 Verhältnisse wird darin zu sehen sein, daß die
großen Betriebe nnd großen Unternehmungen der Stufe der
Volkswirtschaft noch vergrößert werden.
Es ist ein unzweifelhaftes Verdienst Büchers, mit Energie
die Frage nach dem Umfang des Austausches gestellt zu haben.
Niemand hatte es vor ihm in der gleichen Schärfe getan. Hildebrand
 geht freilich in seinen klassischen Sätzen über die Stadtwirtschaft
 des Mittelalters und ebenso Rodbertus in seinen
Studien über die wirtschaftlichen Verhältnisse des klasssischen
Altertums von derselben Frage aus. Aber Bücher legt diesen
Maßstab überall und. mit größter Konsequenz an. Der Fehler
seiner Darstellung besteht darin, daß er an eine geradlinige Entwicklung
 glaubt und die einzelnen historischen Erscheinnugen
nach Möglichkeit in sein Entwicklungsschema hineinpreßt. Obwohl
 ersonst gegen die Irrgänge des evolutionistischen Fanatismus
keineswegs blind ist!), steht er doch unter dem faszinierenden
Bann seiner speziellen Theorie der Wirtschaftsstufen. Man wird
gegen ihn immer geltend machen müssen, daß viele Erscheinungen,
die sich in den verschiedensten Zeitaltern finden, durchaus nicht
!) Vgl. Entstehung des Volkswirtschaft, 2. Aufl. S. 6 f.
            
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