Full text: Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

Die gleiche Eingabe wurde auch an den Minister für Handel 
und Gewerbe, Dr. Sydow, gerichtet, und ebenfalls um eine Aus 
sprache gebeten. 
An den Reichskanzler sandten die Verbände folgende 
Eingabe bctr. Gewährung einer Aussprache. 
Essen, Bochum, Wanne, den 25. Juni 1918. 
An Se. Exzellenz, den Herrn Reichskanzler 
Grafen von Hertling, Berlin. 
Beifolgend gestatten sich die unterzeichneten Vorstände der 
Bergarbeiterorganisationen, Ew. Exzellenz eine an den Herrn 
Handelsminifter und den Zechenverband gerichtete Eingabe zur 
gefälligen Kenntnisnahme ganz ergebenst zu unterbreiten. 
Gleichzeitig erlauben wir uns die Bitte, Ew. Exzellenz möge uns 
zur Erörterung der gegenwärtigen Ernährungsverhältnisse eine 
Besprechung gewähren. 
Zur Begründung unserer Bitte weisen wir darauf hin, das; 
die kürzlich angekündigte Preiserhöhung für Getreide und Mehl 
unter der Arbeiterschaft eine große Erbitterung hervorgerufen 
hat. Man hält die Erhöhung sachlich in keiner Weise für gerecht 
fertigt und die angegebenen Gründe für nicht stichhaltig. Be 
züglich des Hinweises auf die Uebernahme der Druschprämie 
auf das Reich wird hervorgehoben, daß die Summe auf dem 
Wege der Steuern aufgebracht werden mutz, und hierfür in erster 
Linie die breiten Schultern der minderbemittelten Volkskreise 
herhalten müssen. 
All diese Gründe fordern zu einer nachdrücklichen Stellung 
nahme ^gegen die Preiserhöhung heraus. Um so mehr, als auch 
jetzt wieder die Schraube ohne Ende angesetzt wird, mit der Be 
gründung, die Preise mützten in das richtige Verhältnis zu den 
Gctreideprcisen gebracht werden. Weil die Getreidepreise hoch 
sind, müssen die Viehpreise steigen, daher dann auch die Fleisch-, 
Butter-, Milchpreise usw. 
Die Folge hiervon ist, daß die Notlage des größten Teiles 
der minderbemittelten, schwer arbeitenden Bevölkerung immer 
kritischer und die, Bestreitung des erforderlichen Lebensunter 
haltes immer schwieriger wird. 
Dazu kommt dann noch, daß auch die innerpolitische Situa 
tion durchaus nicht dazu angetan ist. die breiten Volksmassen 
mit der Erhöhung der Getreide- und Mehlpreise, sowie mit 
weiteren Preissteigerungen weiter zu beunruhigen. Die Herab 
setzung der Brotration, dann vor allem die heftigen Kämpfe um 
die Erweiterung der politischen Volksrechte, wobei besonders die 
Vertreter ländlicher Kreise die größten Schwierigkeiten machen, 
die unverständliche Haltung der Regierung in Sachen der Ar-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.