Full text : Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

stanbos  bor  Bevölkerung  hin.  Soll  die  Jnbustriebevölkerung  arbeitsfähig ­
  erhalten  werben,  bann  muß  man  ihr  bie  Kartoffeln
in  ausreichender  Menge  liefern.
Die  Selbsteinkellerung  hat  sich  im  letzten  Jahre  im  allgemeinen ­
  sehr  gut  bewährt.  Infolge  der  guten  pfleglichen  Behandlung ­
  in  den  Einzelhaushalten  sind  die  Kartoffeln  bei  weitem  nicht
in  dem  Maße  verfault,  wie  bei  der  Massenaufbewahrung.  Es
entstanden  auch  nicht  die  großen  Verluste  durch  Frost,  und  keine
großen  Störungen  in  der  Versorgung.  Sodann  konnten  die
Transportmittel  zur  Verfügung  gestellt  werden.  Die  Bevölkerung
hat  im  allgemeinen  ihre  Ration  auch  ganz  gut  eingeteilt.  Deshalb ­
  sollte  auch  in  diesem  Jahre  die  Selbsteinkellerung  der  Kartosfeln
  in  den  Bezirken,  in  denen  sie  immer  üblich  war,  wieder
ermöglicht  werden.
Mit  vorzüglicher  Hochachtung!
(Folgen  Unterschriften  der  vier  Bergarbeiterverbände.)
*  *  *
Auf  die  Eingabe  zur  Kartoffelversorgung  erfolgte  am
4.  September  folgende  Antwort:
Berlin,  den  4.  September  1918.
Die  Bemessung  der  im  kommenden  Wirtschaftsjahr  zur  Verteilung
zu  bringenden  Wochenkopfmenge  an  Kartoffeln  auf  mehr  als  7  Pfund
zuzüglich  1  oder  1  'A  weiteren  Pfundes  zur  Deckung  von  Schwundverlusten
bedauere  icl)  zur  Zeit  nicht  in  Aussicht  stellen  zu  können.
Im  vergangenen  Wirtschaftsjahr  ist  es  trotz  günstiger  Ernteergebnisse ­
  nur  mit  den  gröstten  Schwierigkeiten  möglich  gewesen,  die  Verteilung ­
  einer  Wochenration  von  7  Pfund  Kartoffeln  nahezu  bis  zum  Beginn ­
  der  Frühkartofselernte  durchzuführen.  Die  diesjährigen  Ernteaussichten ­
  sind  zwar  nicht  ungünstig,  immerhin  wird  aber  nach  den  bisherigen ­
  Schätzungen  Sachverständiger  mit  ebenso  hohen  Erträgen  wie  im
vergangenen  Jahr  nicht  gerechnet  werden  können;  auch  ist  die  Witterung
in  den  kommenden  Wochen  von  ausschlaggebender  Bedeutung  und  kann
bei  anhaltender  Feuchtigkeit  noch  die  Ernte  sehr  nachteilig  beeinflussen.
Demgegenüber  werden  im  kommenden  Wirtschaftsjahr  erheblich  höhere
Anforderungen  an  die  Kartoffelernte  gestellt  werden  müffen.
Abgesehen  von  der  für  die  Dauer  des  ganzen  Wirtschaftsjahres  zu
gewährleistenden  Versorgung  der  Zivilbevölkerung  und  der  Notwendigkeit, ­
  die  Heeresverpflegung  in  noch  höherem  Maße  als  bisher  sicherzustellen, ­
  muß  die  Herstellung  von  Kartoffeltrocknungserzeugnissen  zu
Zwecken  der  Brotstreckung  in  erheblich  größerem  Umfange  als  im  vergangenen ­
  Jahr  erfolgen  und  vom  Anfang  der  Versorgungsperiode  an,
nicht  erst  im  Laufe  des  Winters,  in  Angriff  genommen  werden.  Danach
ist  die  größte  Sparsamkeit  bei  der  Verteilung  dringend  geboten.  Die
Entscheidung  über  eine  später  etwa  in  Betracht  kommende  Heraufsetzung
des  Wochenkopfsatzes  muß  daher  einer  Prüfung  auf  Grund  des  endgültigen ­
  Ernteergebnisses  im  Laufe  des  Novembers  vorbehalten  bleiben.
Zu  berücksichtigen  ist  hierbei,  daß  die  bestehenden,  insbesondere  durch  die
Abnutzung  des  Eisenbahnmaterials  bedingten,  großen  Transportschwierigkeiten
  die  Beförderung  beliebig  großer  Kartoffelmengen  nicht  gestatten
            
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