Kriegszustand die Hände gebunden waren, und ließen ihrer
Natur freien Spielraum. Da konnte es nicht ausbleiben, daß
mit zunehmender Kriegsdauer die Klagen der Bergarbeiter über
unzureichenden Lohn, über .schlechte Behandlung und übertriebene
Ausnutzung ihrer Arbeitskraft immer häufiger wurden.
Eine besondere Verschärfung erfuhr die gedrückte Lage der Arbeiter
noch durch eine ungeheure Verteuerung der Lebensmittel.
Was konnte die Verbandsleitung tun, um der Verschlechterung
der Bergarbeiterlage entgegenzuwirken? Die Anwendung
der in normalen Zeiten gebräuchlichen Mittel war unter dem
Belagerungszustände unmöglich. Hätte sie, den unterschiedlichen
Wünschen aus Mitgliederkreisen folgend, den offenen
Kämpf gegen das Werkskapitnl aufnehmen und etwa zu Arbeitseinstellungen
auffordern wollen, dann hätte sie die Existenz des
Verbandes aufs Spiel gesetzt. Das durfte sie nicht — das Zukunftsinteresse
der Mitglieder erforderte es vielmehr, den Verband
über die schwere Krisis hinaus am Leben zu erhalten. Um
eines sehr ungewissen Augenblickserfolges Willen durfte die Organisation
der Gefahr des Unterganges nicht ausgesetzt werden.
Es gab einen anderen Weg, um den vielseitigen Beschwerden
der Verbandsmitglieder Gehör und Abhilfe zu schaffen, und
dieser Weg ist vom Vorstände beschritten worden. Alles Material,
das über Löhne und Arbeitsverhältnisse zu erlangen war,
wurde gesammelt und in entsprechender Weise zur Begründung
der Bergarbeiterforderungen verwendet. In Verbindung mit
den anderen Organisationen wurden mehrfach Lohnforderungen
erhoben und an die Regierungen, Militär- und Zivilbehörden
eine Menge Eingaben uni Beseitigung der verschiedenartigen
Uebelstände gerichtet, unter denen die Bergarbeiter während dem
Kriege zu leiden hatten. Ebenso wurden von den Bezirksleitungen
in direkten Eingaben an die Werksverwaltungcn die
Beschwerden der Arbeiter zum Ausdruck gebracht. Außerdem
haben Vorstandsmitglieder oftmals in mündlicher Aussprache
mit den zuständigen Behörden den Klagen der Kameraden Ab-