Full text: Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

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cuf der Zeche. Wer. General in Weitmar in die Erscheinung 
getreten. Dort wurde Ende Dezember eine Bekanntmachung 
ausgehängt, in welcher es u. a. hieß: 
„Den Mitgliedern unserer Belegschaft, welche dem gedienten 
Landsturm angehören, sowie auch denjenigen des ungedienten Land 
sturms, welche bereits ausgemustert sind, bringen wir hierdurch 
zur Kenntnis, daß wir Reklamationen für sie eingereicht haben. Die 
jenigen Leute, welche ihre Zugehörigkeit zu unserer Belegschaft auf 
kündigen, werden sofort einberufen und eingestellt werden." 
Durch eine solche Bekanntmachung wird doch ein unerhörter 
Druck auf die Arbeiter ausgeübt und werden sie veranlaßt, trotz 
etwaiger Lohndifferenzen auf der Zeche zu bleiben; durch das 
Frcizügigkeitscecht der Arbeiter wird ein Strich gemacht. 
Von fast allen Zechen des Reviers kommt die Nachricht, daß 
den Arbeitern beim Hinweis auf die niedrigen Löhne gesagt 
wird, sie sollten Ueberschichten verfahren, dann verdienten sie 
mehr. 
Im Bergrevier Hattingen sind auf der Zeche Friedlicher 
Nachbar die Schichtlöhne um 10—30 Pf. und die Gedinge um 
10—30 Pfennig pro Wagen Kohlen gekürzt worden. Der Lohn 
ist im ganzen Revier gesunken, denn meistens verdienen die 
Bergleute auf das Gedinge keinen angemessenen Lohn und sind 
sie auf das sogenannte Zuschreiben der Beamten ange 
wiesen. 
Auf allen Zechen wird von den Arbeitern verlangt, daß 
sie Ueberschichten verfahren sollen. Wer dieser Aufforderung 
nicht nachkommt, der bekommt es am Lohntage zu fühlen. Auf 
das sehr oft sehr schlecht stehende Gedinge konnte der Arbeiter 
keinen anständigen Lohn verdienen. Der Steiger schreibt ihm 
keinen höheren Lohn, weil er nicht übergearbeitet hat. Manch 
mal wird dies auch von den Beamten offen ausgesprochen. So 
müssen sich auf der Zeche Alte H a a f e diejenigen Arbeiter, 
die keine Ueberschicht verfahren wollen, bei ihrem Steiger mel 
den. Es heißt dann: „Es ist gut, ich werde mir das merken, 
da hast du keinen Nutzen davon" usw. 
Im Bergrevier Recklinghausen beschweren sich die Berg 
arbeiter darüber, daß vielfach bei einer Neubelegung der Be 
triebspunkte das Gedinge herabgesetzt werde. Arbeiter, die sich 
weigern, Ueberschichten zu verfahren, wird zu verstehen gegeben, 
daß sie schlechtere Arbeit erhielten. 
Die Schichtlöhne sind besonders im Revier Recklinghausen- 
West um 20—50 Pf. gesunken. Die Gedinge sind vereinzelt 
um 10—20 Pf. pro Wagen herabgesetzt. Auf das Gedinge 
können die Arbeiter meistens auch nicht viel verdienen und sind
	        
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