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Bemühungen für die Angehörigen der im Felde stehenden
Oesterreichcr.
An das Kaiserliche Landesverteidigungsmnisterium in Wien.
Die heute am 18. Juli 1916 im Lokale Kretzberg zu Ham
born - Bruckhausen (Rheinland) versammelten Angehörigen
Oesterreichischer Nationalität ersuchen das hochwohllöbliche Kai
serliche Landesverteidigungsministerium, die kaiserlich-k'önigl.
Generalkonsulate, sowie Konsulate dahin anzuweisen, daß die
Angehörigen der im Kriegsdienste befindlichen Oesterreicher
die Unterhaltsgebühr sowie den Mietszinsbeitrag voll ausgezahlt
erhalten. Gibt es doch eine Anzahl von Kriegerfrauen in den
hiesigen Ortschaften, denen man auf Veranlassung des General
konsulats in Köln nur die Unterhaltsgebühr zahlte, aber den
Mietzinsbeitrag entzog, so daß ihnen statt 1,20 Kronen nur 80
Heller täglich gezahlt wurden. Als Grund dieser Entziehung
gab man an, daß die Zechenverwaltungen -- z. B. die Zeche
Neumühl — den Frauen der im Felde stehenden Bergarbeiter
den Mietzins während der Kriegszeit schenken, d. h. sie frei
wohnen lassen.
Laut Gesetz vom 12. Januar 1916 für die „Militärdurchzugs
verpflegung" haben im Auslande wohnende Angehörige der
Kriegsdienst Leistenden 1,20 Kronen und ein Kind unter 8 Jahr
60 Heller zu erhalten.
Nur derjenige soll keine Unterkunftsgebühr erhalten, der
im eigenen Hause oder in einem Hause wohnt, das dem Einbe
rufenen gehört, oder der in einer öffentlichen Anstalt (Armen
haus) wohnt. Da dieser Fall aber nicht bei den Angehörigen zu
trifft, denen man den Mietzinsbeitrag entzog, sondern diese nur
vorzugshalber in Privat-, d. h. Zechenwohnungen frei wohnen
dürfen, so möchten wir das hochwohllöbliche Landesverteidigungs-
ministerium ersuchen, auf die in Betracht kommenden Stellen
dahin zu wirken, daß den armen Frauen, die so schon sich alle
Einschränkungen auferlegen müssen, um mit dem Unterhalts
beitrag auszukommen, nicht auch noch der Mietzinsbeitrag ent
zogen wird. Hoffend aus gütige Berücksichtigung der Eingabe
und im voraus dankend, zeichnen im Aufträge der Versammelten
Der Borstand des Verbandes der Bergarbeiter Deutschlands.
Die Eingabe, von der eine Abschrift an den Reichsrats-
Abgeordneten Viktor Adler in Wien gesandt worden war, hatte
Erfolg. Wie das österreichisch-ungarische Konsulat am 23. Sep
tember mitteilte (siehe dort), hat das Landesverteidigungs
ministerium bereits am 6. Sept. seine Entscheidung zugunsten
der beschwerdeführenden Frauen getroffen.