Full text : Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

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Münster,  den  21.  August  1.815,
Aus  dem  Schreiben  vom  14.  August  1915  ersehe  ich,  daß  zwar  die
vier  Organisationen,  die  den  Aufruf  unterzeichnet  haben,  sich  zu  gemeinsamem ­
  Vorgehen  zusammengeschlossen  haben,  aber  den  wirtschaftlichen ­
  Kampf  gegen  die  Werkvereine  fortzusetzen  entschlossen  sind.
Ich  gebe  noch  einmal  den  Rat  im  Interesse  des  Burgfriedens,
jede  aufreizende  Tätigkeit,  insbesondere  in  Zeitungen,  Flugfchriften,
Versammlungen  zu  unterlassen  und  erwarte  von  der  vaterlandsfreundlichen ­
  Arbeiterschaft,  daß  sie  alles  vermeidet,  was  in  diese  ernste,  das
feste  Zusammenarbeiten  der  verschiedenen  Volkskreise  erfordernde  Zeit
nicht  hineinpaßt.
Ich  hoffe,  daß  es  nur  dieses  Hinweises  bedarf,  um  jedem  Verhalten ­
  vorzubeugen,  das  zu  einer  Beunruhigung  der  Bevölkerung
führen  könnte.
Der  kommandierende  General:  v  o  n  G  a  y  l.
*  *  *
Bochu  nt,  den  9.  August  1915.
An  das  Generalkommando  des  7.  Armeekorps  in  Münster.
Wir  ersuchen  Ew.  Exzellenz,  die  Zensurbehörde  in  Essen  anzuweisen, ­
  der  Essener  „Arbeiter-Zeitung"  zu  erlauben,  den  Aufruf ­
  der  vier  Bergarbeiterverbände  in  diesem  Blatte  zu  bringen,
da  er  bis  jetzt  in  dieser  Zeitung  nur  verstümmelt  erscheinen
konnte.
Alle  Essener  Zeitungen  sowie  überhaupt  die  Zeitungen  des
Ruhrgebiets  brachten  den  Aufruf  der  vier  Berzarbeiterverbände
mit  der  Ueberschrift:  „Achtung,  Bergarbeiter!"  beginnend:
„Laut  Bekanntmachung  der  Oberbergbehörden  .  .  .  "  und  endigend ­
  mit  den  Unterschriften  der  Verbände,  im  vollen  Wortlaute.
'Die  Redaktion  der  Essener  „Arbeiter-Zeitung"  telephonierte  uns
dagegen  am  Samstag,  daß  die  Zensurbehörde  in  Essen  ihnen  den
vierten  Absatz  dieser  Bekanntmachung  gestrichen  habe.  Da  doch
alle  anderen  Zeitungen,  so  auch  die  „Niederrheinische  Arbeiter-Zeitung",
  die  ebenfalls  unter  Vorzensur  steht,  den  ganzen  Aufruf ­
  brachten,  veranlaßt  vielleicht  Ew.  Exzellenz,  daß  auch  die
Zensurbehörde  in  Essen  der  Essener  „Arbeiter-Zeitung"  dasselbe ­
  erlaubt.
Im  Voraus  unseren  besten  Dank  sagend,  zeichnet
mit  hochachtungsvollem  Glückauf!
Verband  der  Bergarbeiter  Deutschlands.
*  *  *
Einige  Tage  darauf  erschien  der  Aufruf  der  Verbände  in
der  Essener  „Arbeiter-Zeitung"  in  unverkürztem  Wortlaut.
            
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