Full text: Kaufmanns Herrschgewalt

VII. Reichtum und sein Gebrauch. 
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sisches Beispiel: ein großer Jurist hat fünf oder sechs Millionen 
Dollar einer öffentlichen Bücherei in Neuyork hinterlassen — einer 
Einrichtung, die so außerordentlich notwendig ist, daß die Nicht 
realisierung dieser Stiftung direkt als ein Unglück erscheint. Er 
ist nun seit Jahren tot; das Testament aber wurde infolge eines 
Formfehlers für ungültig erklärt, obgleich an den Absichten des 
Erblassers nicht der geringste Zweifel sein kann. Das Ganze 
ist eine traurige Travestie auf die Torheit derjenigen, die Millionen 
besitzen, welche ihnen selbst von keinerlei Nutzen und von denen 
sie sich doch nicht bis zu ihrem Ende zu trennen vermögen. 
Peter Cooper, Pratt aus Baltimore und Pratt aus Brooklyn, sowie 
andere zeigen die rechte Art von Männern, welche man sich zum 
Beispiel nehmen sollte: sie verteilten ihren Überfluß schon wäh 
rend ihres Lebens. 
Die dritte und einzig edle Art für den Gebrauch von Reich 
tum ist die folgende: Man sehe Reichtum als ein geheiligt an 
vertrautes Pfand an, das von demjenigen, in dessen Hände es 
floß, für die höchsten Güter des Volkes zu verwenden ist. Der 
Mensch lebt nicht vom Brot allein, und fünf oder zehn Prozent 
mehr Einkommen, über Tausende zersplittert, würde wenig oder 
gar nichts Gutes zur Folge haben. Zu einem großen Fond gehäuft 
und dann ähnlich verwendet, wie Cooper sein Geld für das Cooper- 
Institut verwendete, begründet es etwas, das ganze Geschlechter 
überdauert. Es dient zur Erziehung des Geistes, zur höheren 
Bildung der Menschen. Es versieht den Armen, sobald er es nur 
wünscht, mit einer Leiter, vermittelst der er emporzuklimmen ver 
mag; 'dagegen ist es unnütz, Leuten helfen zu wollen, die sich selbst 
nicht helfen wollen oder können. Man kann niemanden eine 
Leiter hinaufstoßen; es sei denn, daß er den Willen besitzt, auch 
aus eigenen Kräften ein wenig zu klettern. Sonst fällt er, wenn 
man ihn losläßt, wieder herunter und nur zu seinem eigenen 
Schaden. Deshalb wiederhole ich hier, was ich schon öfter gesagt: 
der Tag ist nahe — ja wir erkennen bereits seinen Anbruch 
— an welchem der Besitzer von Millionen brach 1 liegenden, ihm 
frei zur Verfügung stehenden Reichtums, in Unehren sterben wird. 
Selbstverständlich spreche ich nicht von dem Geschäftsmanne, der 
sein Kapital nicht aus seinem Geschäfte nehmen darf; denn dieses
	        
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