Full text : Kaufmanns Herrschgewalt

118

IX.  Englisch-amerikanische  Handelsbeziehungen.

Ware,  und  dabei  alles  überraschend  billig.  Ich  hatte  unlängst  einen
Beweis  dafür.  Eine,  wenn  auch  nicht  reiche,  doch  immerhin  wohlhabende ­
  Familie  ging  jedes  Jahr  zum  Besuche  ihrer  Eltern  mit  ihren
fünf  Kindern  nach  England  hinüber.  Die  Kosten  der  Überfahrt
wurden  im  voraus  gedeckt  durch  den  Einkauf  von  Kleidern  und
anderen  Artikeln  hier  in  Amerika.  Die  betreffende  Dame  erklärte
uns,  daß  sie  jetzt  nichts  mehr  in  Europa  kaufe,  da  sie  ihre  Kinder
in  Neuyork  billiger  kleiden  könne.  Viele  andere  Tatsachen  beweisen
dasselbe.  Unsere  Dienerschaft,  die  mit  uns  über  den  Ozean  hinund
  zurückgeht,  kauft  viele  Artikel  in  Neuyork;  allerdings  keine
feinen  Luxusartikel,  an  denen  sich  reiche  Leute  erfreuen.
Auf  solche  Artikel,  die  einen  großen  Teil  unseres  Staatseinkommens ­
  decken,  dürfen  wir  immerhin  eine  beträchtliche  Steuer
legen,  ohne  zu  fürchten,  daß  die  reichen  Leute  sich  von  ihrem  Gebrauch ­
  abhalten  lassen  oder  selbst  auch  nur  ihren  Bedarf  darin
bedeutend  einschränken  werden.  Die  reichen  Klassen  unserer
Republik  kehren  sich  nicht  viel  an  die  Höhe  des  Preises  beim
Einkauf  von  Luxusartikeln.  Feine  Seidenstoffe,  feine  Linnen,  feine
Spitzen,  feine  Wollenfabrikate,  feine  Weine  oder  schottischer  Whisky
und  englisches  Bier  gehören  zu  diesen  Luxusartikeln.  Merken  Sie
wohl:  diese  Politik  wird  aufrecht  erhalten  nicht  des  Schutzzolls,
sondern  nur  rein  fiskalischer  Zwecke  wegen.  Selbst  wenn  der
Schutzzoll  offen  verworfen  würde,  müßten  solche  Artikel  dennoch
weiter  besteuert  werden  —  die  Klasse  des  Volkes  würde  das  einfach
fordern.  Die  Annahme,  daß  die  Wenigen  und  nicht  die  Vielen,
die  Besteuerung  der  von  den  Reichen  gebrauchten  Luxusartikel
begünstigen,  ist  durchaus  irrig.  Meiner  Überzeugung  nach  können
diese  Art  Steuern  auf  absehbare  Zeit  nicht  abgeschafft  werden.
Bilden  sie  doch  die  populärste  Art  der  Steuererhebung!  Neuerdings
gibt  sich  eine  neue,  nicht  zu  übersehende  Beziehung  in  dem
Handelsverkehr  der  verschiedenen  Völker  untereinander  kund.  Man
darf  es  jetzt  für  ausgemacht  halten,  daß  Rohmaterial  in  begünstigter
physikalisch-geographischer  Lage  nunmehr  Macht  genug  besitzt,
um  Kapital  und  Geschicklichkeit  anzuziehen,  so  daß  es  gemeiniglich'
in  allernächster  Nähe  verarbeitet  werden  kann.  Die  einzelnen  Völker
zeigen  dabei  eine  früher  ungeahnte  Fähigkeit  für  Fabrikation:  die
armen  Männer  und  Frauen  Indiens,  die  Peonen  Mexikos,  die
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.