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IX. Englisch-amerikanische Handelsbeziehungen.
Ware, und dabei alles überraschend billig. Ich hatte unlängst einen
Beweis dafür. Eine, wenn auch nicht reiche, doch immerhin wohl
habende Familie ging jedes Jahr zum Besuche ihrer Eltern mit ihren
fünf Kindern nach England hinüber. Die Kosten der Überfahrt
wurden im voraus gedeckt durch den Einkauf von Kleidern und
anderen Artikeln hier in Amerika. Die betreffende Dame erklärte
uns, daß sie jetzt nichts mehr in Europa kaufe, da sie ihre Kinder
in Neuyork billiger kleiden könne. Viele andere Tatsachen beweisen
dasselbe. Unsere Dienerschaft, die mit uns über den Ozean hin-
und zurückgeht, kauft viele Artikel in Neuyork; allerdings keine
feinen Luxusartikel, an denen sich reiche Leute erfreuen.
Auf solche Artikel, die einen großen Teil unseres Staats
einkommens decken, dürfen wir immerhin eine beträchtliche Steuer
legen, ohne zu fürchten, daß die reichen Leute sich von ihrem Ge
brauch abhalten lassen oder selbst auch nur ihren Bedarf darin
bedeutend einschränken werden. Die reichen Klassen unserer
Republik kehren sich nicht viel an die Höhe des Preises beim
Einkauf von Luxusartikeln. Feine Seidenstoffe, feine Linnen, feine
Spitzen, feine Wollenfabrikate, feine Weine oder schottischer Whisky
und englisches Bier gehören zu diesen Luxusartikeln. Merken Sie
wohl: diese Politik wird aufrecht erhalten nicht des Schutzzolls,
sondern nur rein fiskalischer Zwecke wegen. Selbst wenn der
Schutzzoll offen verworfen würde, müßten solche Artikel dennoch
weiter besteuert werden — die Klasse des Volkes würde das einfach
fordern. Die Annahme, daß die Wenigen und nicht die Vielen,
die Besteuerung der von den Reichen gebrauchten Luxusartikel
begünstigen, ist durchaus irrig. Meiner Überzeugung nach können
diese Art Steuern auf absehbare Zeit nicht abgeschafft werden.
Bilden sie doch die populärste Art der Steuererhebung! Neuerdings
gibt sich eine neue, nicht zu übersehende Beziehung in dem
Handelsverkehr der verschiedenen Völker untereinander kund. Man
darf es jetzt für ausgemacht halten, daß Rohmaterial in begünstigter
physikalisch-geographischer Lage nunmehr Macht genug besitzt,
um Kapital und Geschicklichkeit anzuziehen, so daß es gemeiniglich'
in allernächster Nähe verarbeitet werden kann. Die einzelnen Völker
zeigen dabei eine früher ungeahnte Fähigkeit für Fabrikation: die
armen Männer und Frauen Indiens, die Peonen Mexikos, die