Full text : Kaufmanns Herrschgewalt

III.  Silberwährung,

Über  „Geld“  im  allgemeinen  habe  ich  alles  Nötige  an  anderer
Stelle  gesagt.  Wir  wollen  nur  das  früher  Hier  Ausgeführte  auf
die  Gegenwart  anwenden.  Dabei  stoßen  wir  sofort  auf  das  Silberproblem. ­
  Ich  bin  bei  Erörterung  desselben  Ihrer  aller  Aufmerksamkeit ­
  sicher;  enthält  es  doch  die  allerwichtigste  volkswirtschaftliche ­
  Frage  der  Gegenwart.  Wir  haben  gesehen,  wie  die  Menschheit ­
  im  Verlauf  der  Entwicklung  verschiedenartige  Artikel  als
„Geld“  benutzte  und  sie  dann  hat  fallen  lassen,  sobald  zu  diesem
Zweck  geeignetere  Artikel  gefunden  wurden;  ebenso,  daß  die
Völker  zu  allerletzt  gemünzte  Stücke  wertvollen  Metalls  als  den
für  diesen  Zweck  geeignetsten  und  vollkommensten  Artikel  erkannten. ­
  Nur  zwei  Arten  von  Metallen  sind  unter  zivilisierten
Völkern  für  die  Normalwährung  im  Gebrauch:  —  Gold  in  den  einen,
Silber  in  den  anderen  Ländern.  Kein  Land  kann  beide  Währungen ­
  zugleich  haben.  Vor  Jahrhunderten  wurde  Silber  als  Normalwert ­
  in  China,  Indien  und  Japan,  und  während  neuerer  Zeit
in  den  südamerikanischen  Republiken  anerkannt;  es  ist  auch  heute
noch  in  diesen  Ländern  die  Normalwährung.  Zur  Zeit  seiner
Einführung  war  es  eine  weise  Wahl;  Silber  hatte  damals  fast  den
doppelten  Wert  wie  heutzutage;  es  war  damals  seinem  Werte
nach  unveränderlich  und  entsprach  allen  Anforderungen  einer  ländlichen ­
  Bevölkerung.
Die  führenden  Nationen  Europas  sowohl  wie  unser  eigenes
Land  (Vereinigte  Staaten)  sahen  sich,  da  sie  weiter  vorgeschritten
und  viel  größere  geschäftliche  Transaktionen  einzugehen  hatten,
in  die  Notwendigkeit  versetzt,  als  Normalwert  ein  wertvolleres
Metall  denn  Silber  zu  gebrauchen.  Es  wurde  das  Gold  erwählt;
doch  da  Silber  in  vielen  Teilen  der  Welt  nach  wie  vor  als  Geld
            
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