56 IV. Das gemeinschaftliche Interesse von Arbeit und Kapital.
des Wortes ist ihnen nicht erteilt worden. Vielmehr hat gerade
das, was man sie gelehrt hat, nur dazu beigetragen, ihnen falsche
Anschauungen zu geben und Widerwillen gegen das praktische
Leben zu erwecken. Ich wundere mich keineswegs, daß gegen
eine solche Art von Bildung ein Vorurteil bestand und noch
besteht. Nach meiner eigenen Erfahrung gibt es wenige junge
Leute, die, für das Geschäft bestimmt, von ihrer akademischen
Bildung keinen Schaden erfahren hätten. Würden sie die Jahre,
die sie auf der Schule zubrachten, zu tüchtiger Arbeit angewandt
haben, sie wären im eigentlichen Sinne des Wortes Leute von
besserer Erziehung geworden. Feuer und Tatkraft ist in ihnen
ausgestampft, und es wurde für sie zur Hauptfrage, wie man
ein Leben voller Müßiggang, nicht aber voller Nützlichkeit lebe.
Doch eine neue Art von Bildung bemächtigt sich jetzt unser!
Wir beginnen einzusehen, daß die Kenntnis z. B. der Chemie
mehr wert ist als die Kenntnis aller toten Sprachen zusammen
genommen, welche jemals auf der Erde gesprochen wurden; und
daß die Kenntnis der Mechanik nützlicher ist als alle klassische
Bildung, die sich in einen jungen Mann hineinpropfen läßt. Was
kann der junge Mann, der griechisch gelernt hat, leisten, beispiels
weise einem anderen gegenüber, der Stenographie, Telegraphie,
Buchhaltung, Chemie oder die Gesetze der Mechanik in unseren
Tagen versteht? Nicht, daß irgendeine Kenntnis hier unterschätzt
werden soll; jede Kenntnis ist in gewissem Sinne nützlich. Nur
möchte ich betonen: Die heutigen Tages in unseren höheren
Schulen gegebene Bildung ist — wenn wir von den wenigen
Leuten absehen, welche Altertumsforscher werden wollen und in
der Entzifferung einer staubigen Vergangenheit ihr Lebenswerk
suchen, sowie von den wenigen, welche die Beamtenlaufbahn
betreten — durchaus und direkt von Nachteil.
Der Mangel an richtiger Bildung hat mehr als alles andere
dazu beigetragen, die allgemeine Anerkennung der Arbeit als
solche zu verhindern. Ich erinnere mich, daß der große Präsident
Edgar Thomson, der größte aller Eisenbahndirektoren, nach wel
chem diese Werke alle benannt sind, mir einmal den Antrag
stellte, von Pittsburg fort zu gehen und Maschinenmeister der
Pennsylvania-Eisenbahn zu werden. Gewiß, Sie mögen darüber