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und suchte sich zu entschuldigen. Auf den Lärm eilte
meine Schwester hinein.
„Ach!" jammerte das dumme und, wie ich seit jenem
Tage bestimmt weiß, falsche Tier, „die Madame ohr
feigt mich so."
Meiner Schwester kam dies gelegen. Noch kochte die
Wut in ihr, daß sie nicht tags vorher zu Friedländers
gehen konnte. Sie überhäufte die Mutter mit Vor
würfen. Der Lärm vervielfachte sich. Ich stürzte hinein,
riß meine Schwester weg und zog sie in die andere
Stube. Hier, in Gegenwart meines Vaters, sprach sie:
„Ach, du bist unbarmherzig, Emilie will fort, sie will
durchaus fort."
„Nun," entgegnete ich, „meine Mutter befiehlt ja,
sie soll noch heute fort."
„Dummer Junge!" rief mein Vater. „Hat man sie
denn auf der Straße gefunden? Man muß mit dem
Vormund sprechen." Meine Schwester eilte wieder
herein. „Du bleibst hier!" herrschte mir mein Vater zu.
Drinnen benahm sich, wie ich später hörte, meine
Schwester sehr schlecht.
„Du willst eine Waise schlagen?" rief sie wieder
holt, „du?"
Mein Vater kani auch dazu, wurde sehr hitzig, ja er
ging so weit, daß er meine Mutter bei der Hand faßte.
„Ich lasse in meinem Hause keine Waise schlagen!"
donnerte er und ging wütend heraus.
Er ging mit nieiner Schwester zu Geigers Predigt.
Meine Mutter blieb weinend bei mir, dem Weinenden,
zurück. Ich war erbittert gegen meine Schwester, ja