Full text: Oekonomik der Transformationsperiode

2 
betrachten, verschwinden alle grundlegenden „Probleme" der 
politischen Oekonomie: die Probleme des Wertes, des Preises, des 
Profites usw. Hier werden die „Beziehungen zwischen Menschen" 
nicht ausgedrückt in „Beziehungen zwischen Sachen“, und die 
gesellschaftliche Wirtschaft wird nicht von den blinden Kräften 
des Marktes und der Konkurrenz reguliert, sondern von einem 
bewußt durchgeführten Plan. Deshalb kann hier ein gewisses 
System der Beschreibung einerseits und ein System der Normen 
andererseits Platz finden. Aber da bleibt kein Raum für eine 
Wissenschaft, die die „blinden •'Gesetze" des Marktes studiert, 
denn der Markt selbst fehlt. Auf diese Weise bedeutet das Ende 
der auf kapitalistischer Warenproduktion beruhenden Gesell 
schaft auch das Ende der politischen Oekonomie. 
Die Nationalökonomie erforscht also die Waren-Wirtschaft. 
Dabei deckt sich die Waren produzierende Gesellschaft 
keineswegs mit der einfachen Summe der Individualwirtschaften. 
Schon Rodbertus hat in seiner Polemik gegen Bastiat das Vor 
handensein eines besonderen Wirtschaftsmilieus glänzend er 
läutert, eines besonderen Zusammenhanges, den er als „wirt 
schaftliche Gemeinschaft“ kennzeichnete. Hätten wir es mit 
einer einfachen Summe von Wirtschaften zu tun, so gäbe es 
keine Gesellschaft, Die „Summe" ist eine rein logische Einheit, 
aber kein real existierender Komplex, 
Es ist für die reine Theorie völlig gleichgültig, wie groß der 
Umfang ist, wie die gegebene gesellschaftliche Wirtschaft räum 
lich charakterisiert ist. Gerade deshalb verspottete Marx so sehr 
die Bezeichnung „Nationalökonomie“, für die die patriotischen 
deutschen Professoren so viel übrig haben. Verhältnismäßig 
untergeordnet für die abstrakte Theorie ist ebenso die Frage, wer 
als Subjekt der einzelnen Wirtschaft auftritt. Vorderhand wichtig 
ist der Typus des Zusammenhanges zwischen diesen Wirtschaften 
und namentlich der Typus des unorganisierten Zusammenhanges
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.