III. Kartell und Konjunktur.
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Wenn somit eine größere Stetigkeit in der Beschäftigung
bisher in der Tat nur in beschränktem Maße der Fall gewesen
ist, so ist doch nicht zu verkennen, daß neuerdings bei
den großen Verbänden wenigstens das ehrliche Bestreben
vorhanden ist, eine größere Stetigkeit in der wirtschaftlichen
Lage herbeizuführen und damit auch eine stetigere
Beschäftigung der Arbeiter 1 ). Auch der
preußische Finanzminister Freiherr von Rheinbaben erkannte
dies gegen Ende Dezember 1906 in einer Rede über die
wirtschaftliche Lage an, indem er sich dahin äußerte, daß
sich die wirtschaftliche Lage (Ende 1906 U.) „vorteilhaft
unterscheide von der letzten Hochkonjunktur um die Jahrhundertwende
durch die größere Stabilität, welche die festgefügten
Industrieverbände, in erster Linie das Kohlensyndikat
und der Stahlwerksverband, gewährleisten“. Und daß
die „bezeichneten großen Organisationen ... ein unverkennbares
Maßhalten in Produktion und Preisgestaltung zur Folge
gehabt haben . .
Dem kann man jedoch von vornherein zustimmen, daß
eine volle Ausgleichung der Konjunkturenschwankungen auch
die Verbände niemals erreichen werden, sondern nur eine
Abschwächung und Milderung, denn die großen Krisen
pflegen selten ein Land allein, noch seltener aber ausschließlich
einen einzelnen Industriezweig eines Landes zu treffen;
sie sind vielmehr in der Regel internationaler Art und erfassen
meistens die gesamte Volkswirtschaft. Bei der Entstehung
der Krisen spielen zu viele Zufälligkeiten und Imponderabilien
mit, als daß die Kartelle, selbst die internationalen,
jemals ihrer Herr werden könnten. Durch ihre
krisenmildernde Wirkung kann jedoch die Spannung zwischen
Hausse und Baisse auf die Dauer wesentlich verringert
werden.
Thomas Carlyle' 2 ) sagt: „Der traurigste Anblick unter
der Sonne ist ein Mann, der gern arbeiten möchte, aber keine
Arbeit findet . . . Die Arbeit ist Grundlage aller Kultur,
*) Sofern die Arbeitslosigkeit nicht auch durch andere Ursachen
wie Veränderungen der Technik usw. bewirkt wird.
s ) Thomas Carlyle, Arbeiten und nicht verzweifeln, Auswahl,
P- 51 usw.