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III. Kartell und Konjunktur.
Konjunktur vermögen die Kartelle vor allem, durch ihre
Preispolitik auszuüben. Die Kartelle, insbesondere die höher
entwickelten, die Syndikate, haben nach ihren Verträgen gewöhnlich
drei Arten von Preisen: Rieht-, Verrechnungs- und
Verkaufspreise. Die allgemeinen Richtpreise werden von den
Beiräten festgestellt. Auf Grund dieser werden von den
Vorständen der Kartelle (Syndikate) die Verrechnungspreise,
zu denen die Syndikate von den Mitgliedern die einzelnen Erzeugnisse
kaufen, festgesetzt. Um Schwankungen in den
Verrechnungspreisen in kürzeren Zeiträumen möglichst zu
vermeiden, haben einzelne Syndikate die Bestimmung aufgenommen,
daß eine Abänderung der einmal aufgesteilten Verrechnungspreise,
solange der Beirat seine Preisvorschriften
unverändert aufrecht erhält, nur bei Beginn eines Verrechnungs-
oder Kalenderjahrs erfolgen kann 1 ). Die Vorstände
oder Geschäftsführer der Syndikate bestimmen sodann die
Verkaufspreise und Verkaufsbedingungen unter möglichster
Beachtung der vom Beirat aufgestellten Preis- und Sortenbestimmung.
Für die Beurteilung der Preispolitik der SynJ
) Daß die Richtpreise und die daraus sich ergebenden Verkaufspreise
auf längere Zeit festgesetzt und nicht beim ersten Anzeichen
eines wirtschaftlichen Niederganges oder Aufschwungs geändert
werden, kann nur als Vorteil gelten. Hierdurch wird im Gegensatz
zu den amerikanischen Trusts, deren ein fortwährendes Schwanken
der Preise bedingte Politik durchaus nicht zur Beruhigung des Marktes
beiträgt, eine gewisse Stetigkeit erreicht. Vgl. Pilz, „Glückauf“,
1909, Nr. 52, p. 1914.)
ln dem Bestreben stabile Preise zu halten, unterscheiden sich
die deutschen Kartelle lobenswert gegenüber den amerikanischen Trusts.
Das Streben der Trusts geht dahin, eine Monopolstellung zu erringen,
um in der Preisbildung unabhängig zu sein. Die Trusts benutzen aber
nicht diese Monopolstellung und die durch die Vervollkommnung der
Werke erreichte Verminderung der Herstellungskosten zu einer Ermäßigung
des Verkaufspreises, sondern suchen vielfach durch unvernünftige
Preissteigerung in kurzen Zwischenräumen erhebliche Gewinne
zu erzielen. Dabei ist die wesentlichste Ursache der Preiserhöhungen
keinesfalls die Erhöhung der Löhne, sondern die Überkapitalisierung
der Trusts. (Vgl. Beispiele hierüber bei Katzenstein, Die Trusts in
den Vereinigten Staaten, p. 26. Vortrag, gehalten in der Volkswirtschaftlichen
Gesellschaft in Berlin am 9. Januar 1901. Levy, Die Stahlindustrie
der Vereinigten Staaten von Amerika in ihren heutigen Produktionsund
Absatzverhältnissen, p. 244.)
Die kurze Dauer der ersten amerikanischen Pools wird zum Teil
ihrer vielfach schwankenden Preispolitik zugeschrieben. (Vgl. ein Beispiel
hierzu, der Wire Nail-Pool (Drahtnägelpool), bei Jenks, The
Trust Problem, p. 61 ff.)