Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

VIII

Vorwort  zur  ersten  Ausgabe.

zeigen,  wodurch  diese  oder  jene  Lehre  die  wissenschaftliche  Kritik
herausfordert,  sei  es  durch  einen  Fehler  in  der  Beweisführung,
oder  durch  ungenaue  Beobachtung  der  Tatsachen.  Wir  haben  aber
unsere  Kommentare  auf  ein  Minimum  beschränkt,  und  zwar  nicht
nur,  um  das  vorliegende  Buch  nicht  zu  sehr  anwachsen  zu  lassen,
sondern  auch  deshalb,  weil  das,  worauf  es  dem  Leser  ankommt,  nicht
unsere  Meinungen,  sondern  die  der  Meister  selbst  sind,  die  wir
hier  darstellen.  So  viel  wie  möglich  haben  wir  sie  selbst  sprechen
lassen  und  haben  uns  aus  diesem  Grunde  nicht  gescheut,  die  Zitate
zu  häufen.
Wir  haben  uns  bemüht,  hauptsächlich  die  Lehren  klarzustellen,
die,  Wahrheiten  oder  Irrtümer,  zur  Bildung  der  heutigen  Ideen  beigetragen ­
  haben  und  mit  ihnen  in  unmittelbarer  Beziehung  stehen.
Der  Plan  dieses  Buches  ist  daher:  wie,  wo  und  durch  wen  sind  die
Grundsätze  aufgestellt  worden,  die  das  provisorische  oder  endgültige
Gerüst  der  volkswirtschaftlichen  Wissenschaft  bilden,  so  wie  sie
heute  gelehrt  wird?  Wir  haben  es  sogar  für  nützlich  gehalten,  gewissen ­
  Doktrinen  einen  Platz  einzuräumen,  die,  auch  wenn  sie  etwas
am  Außenrande  der  eigentlichen  Nationalökonomie  stehen,  einen
großen  Einfluß  auf  den  Unterricht,  die  Gesetzgebung  und  die  Ideenbewegung ­
  ausgeübt  haben,  wie  der  christliche  Sozialismus,  der  Solidarismus
  und  der  Anarchismus.  Wenn  wir  es  auch  für  vorteilhafter
gehalten  haben,  den  offiziell  für  diesen  Unterrichtszweig  anerkannten ­
  Titel  beizubehalten,  so  würde  doch  der  Titel  dieses  Buches
besser  lauten;  „Geschichte  des  Ursprungs  und  der  Entwicklung  der
heutigen  volkswirtschaftlichen  Doktrinen.“

Der  Plan  einer  Geschichte  der  Doktrinen  bietet  rechte  Schwierigkeiten. ­
  Da  es  sich  um  geschichtliche  Darlegungen  handelt,  muß  man
selbstverständlich  ungefähr  der  chronologischen  Ordnung  folgen;  man
kann  aber  entweder  alle  Doktrinen  der  gleichen  Epochen  zusammengefaßt ­
  darstellen  oder  sie  in  ebenso  viele  Einzelgeschichten  trennen,
wie  es  Schulen  gibt.  Der  erste  Weg  macht  es  nötig,  in  jedem  Kapitel
gleichzeitig  alle  Doktrinen  zu  behandeln  und  von  neuem  aufzuführen,
wodurch  man  Gefahr  läuft,  dem  Leser  von  jeder  nur  ein  unbestimmtes
Bild  zu  hinterlassen.  Der  zweite  Weg  hat  den  Nachteil,  die  Gesamtgeschichte ­
  in  Monographien  zu  zerstückeln,  und  gestattet  nicht,
die  notwendigen  Beziehungen,  die  in  jeder  Epoche  die  verwandten
und  sogar  die  gegnerischen  Lehren  verbinden,  genügend  hervorzuheben. ­
  Wir  haben  versucht,  diese  Nachteile  zu  vermeiden  und  die
Vorteile  der  beiden  Methoden  zu  vereinigen,  indem  wir  die  Lehren
            
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