Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Erstes  Buch.  Die  Begründer.

‘Produktionskosten -1  den  Faktor,  der  den  Tauschwert  wirklich  reguliert. ­
  Soeben  nannte  er  den  Preis,  der  sich  auf  die  Arbeit  gründet,
den  „wirklichen“  Preis;  jetzt  nennt  er  den  Preis  der  nach  ihren
Produktionskosten  gewerteten  Gegenstände  den  „natürlichen“  Preis.
Der  Name  hat  wenig  Bedeutung.  Das,  was  Smith  verfolgt,  ist  stets
der  wahre  Wert,  der  sich  uns  unter  der  Beweglichkeit  des  Marktpreises ­
  verbirgt.  Es  ist  dasselbe  Problem,  dem  er  eine  neue  Lösung
gibt.  Soeben  sagte  er  uns:  Wenn  eine  Ware  sich  gemäß  der  Arbeit,
die  sie  gekostet  hat,  verkaufen  ließe,  würde  sie  für  d  a  s,  was  sie
wirklich  kostet,  verkauft  werden.  Jetzt  versichert  er  uns  mit
nicht  geringerer  Bestimmtheit,  daß  eine  Ware,  die  gemäß  der  Produktionskosten ­
  verkauft  wird  „genau  für  das,  was  sie  wert  ist,  oder
für  das,  was  sie  demjenigen,  der  sie  feilbietet,  wirklich  kostet,  verkauft ­
  wird 1 ).  Der  „wahre“  Wert  der  Waren  ist  daher  der,  der  mit
ihren  Produktionskosten  übereinstimmt.  Darunter  ist  zu  verstehen
die  Summe,  die  genügt,  um  zum  normalen  Preis  den  Lohn  der
Arbeit,  den  Zins  des  Kapitals  und  die  Rente  des  Bodens  zu  zahlen,
die  zu  ihrer  Erzeugung  beigetragen  haben.
Außer  der  Arbeit  findet  Smith  so  einen  neuen  „Bestimmungsgrund“ ­
  für  den  Wert,  und  wenn  sich  die  Sozialisten  um  seine  erste
Hypothese  geschart  haben,  so  hat  die  große  Mehrzahl  der  Nationalökonomen ­
  bis  auf  Jevons  die  zweite  aufgenommen.  Er  selbst  hat
niemals  den  Mut  gehabt,  sich  offen  für  eine  zu  erklären;  in  seiner
Darstellung  bestehen  sie  nebeneinander,  und  er  kann  sich  nicht  entschließen, ­
  eine  davon  preis  zu  geben.  Es  ergeben  sich  daraus  in
seinem  Werke  zahlreiche  Widersprüche,  und  jedes  Bemühen,  sie  in
Übereinstimmung  zu  bringen,  würde  vergeblich  sein.  Bald  z.  B.
werden  das  Kapital  und  der  Grund  und  Boden  als  Quellen  neuer
W  erte  angegeben,  die  sich  denen,  die  die  Arbeit  schafft,  anreihen,
und  die  in  normaler  Weise  einen  Profit  und  eine  Rente  hervorbringen, ­
  die  mit  dem  Lohne  zur  Bestimmung  der  Produktionskosten
dienen,  —  bald  werden  der  Profit  und  die  Rente  von  ihm  als  Abzüge ­
  angesehen,  um  die  die  Kapitalisten  und  die  Grundbesitzer  die
von  der  Arbeit  allein  geschaffenen  Werte  vermindern 2 ).  Man  glaubt
b  Yölkerreichtum  I,  S.  31,  B.  I,  Kap.  VII.
2 )  Völker  r  ei  oh  tum  I,  S.  28,  B.  I,  Kap.  VI.  Im  folgenden  finden  wir
z.  B.  eine  Stelle,  die,  wie  v.  Böhm-Bawbbk  sehr  richtig  hervorhebt  (Kapital  und
Kapitalzins,  2.  Ausg.,  1900,  S.  84),  beide  Begriffe  in  Gegenüberstellung  ohne  jeden
Versuch,  sie  in  Übereinstimmung  zu  bringen,  enthält:  „Unter  diesen  Umständen
(wenn  nämlich  die  Aneignung  des  Kapitals  und  des  Bodens  eine  vollzogene  Tatsache
geworden  ist)  gehört  nicht  immer  das  ganze  Produkt  der  Arbeit  dem  Arbeiter.  Br
muß  es  in  den  meisten  Bällen  mit  dem  Kapitalisten  teilen,  der  ihn  beschäftigt.  Auch
ist  es  die  zur  Erwerbung  oder  Hervorbringung  einer  Ware  gewöhnlich  erforderliche
Arbeitsquantität  nicht  mehr  allein,  wodurch  die  Quantität,  welche  dafür  gewöhnlich
            
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