Kapitel II. Adam Smith.
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0 Traite, 6. Ausg. S. 6.
2 ) Briefwechsel mit Malthus in den (Buyres diverses, S. 466.
• Wir haben gesehen, wie sich der Begriff der natürlichen Ordnung
seit den Physiokraten bis auf Smith geändert hat. Für die Physio-
kraten war sie eine zu verwirklichende Ordnung; — ihrem
Wesen nach ist die volkswirtschaftliche Wissenschaft normativ. —
Für A. Smith ist sie eine sich fortwährend verwirklichende
Ordnung; es besteht nach seiner Ansicht eine selbsttätige, wirtschaft
liche Verfassung, die, wie die Lebenskraft des Körpers, künstliche
Hindernisse, die die Regierungen ihr entgegenstellen, überwindet.
Die praktische Nationalökonomie stützt sich auf die Kenntnis dieser
selbsttätigen Verfassung, um die Staatsmänner zu beraten.* 'Nach Say’s
Ansicht ist dies immer noch ein zu großes Entgegenkommen gegen
über den Bedürfnissen der Praxis. Die Nationalökonomie ist einzig
die Wissenschaft von der selbsttätigen wirtschaftlichen Verfassung
oder, wie er mit einem Smith noch unbekannten Wort sagt; „von
den Gesetzen, die den Reichtum beherrschen 1 ).“ Sie ist, wie
der Titel seines Werkes hervorhebt, eine „einfache Darlegung, wie
die Reichtümer gebildet, verteilt und verbraucht werden“. Von der
Politik, mit der sie zu oft verwirrt wird, ist sie klar zu unterscheiden,
und ebenso von der Statistik, die nur eine einfache Beschreibung^
der Tatsachen, aber keine Wissenschaft ist, die Prinzipien koordiniert.
'Die Nationalökonomie wird so durch Say zu einer rein theo
retischen und beschreibenden Wissenschaft^ die Rolle des National
ökonomen zu der eines Gelehrten. Er ist nicht mehr Ratgeber,
sondern einfach Beobachter, Analytiker, Schilderer. Er muß „un
gerührter Zuschauer bleiben“, schreibt er an Malthus im Jahre 1820.
„Unsere Aufgabe der Öffentlichkeit gegenüber besteht darin, ihr zu
sagen, wie und warum eine bestimmte Tatsache die Folge einer be
stimmten anderen ist. Ob ihr diese Folgen Zusagen, ob sie ihr
Schrecken erregen, ist für den Nationalökonomeu ohne Bedeutung.
Sie weiß nun, was sie zu tun hat. Niemals aber sind Ermahnungen
am Platze 2 ).“
Damit bricht Say mit der langen Überlieferung, die, von den
Kanonikern und Kameralisten angefangen, über die Merkantilisten
bis zu den Physiokraten, die Nationalökonomie vor allem zur prak
tischen Wissenschaft gemacht hatte, zum Führer für den Staats
mann und den Verwaltungsbeamten. Smith hatte die wirtschaftlichen
Tatsachen schon wie ein Naturforscher betrachtet,„aber wie ein
Naturforscher, der vor allem Arzt bleibt. Say will weiter nichts als
Naturforscher sein. Die Medizin interessiert ihn nicht. Auf diese
Weise führt er die wahre wissenschaftliche Methode ein. Übrigens